Das Abenteuer spanische Nordküste . Teil 1

Die raue Atmosphäre der spanischen Nordküste wird in diesem Bild deutlich: ein Zweig im Sand, daran ein Ballon, der im Wind weht, im Hintergrund der Atlantik.

Kennst Du auch das Lied „One day baby, we’ll be old…“ von Asaf Avidan oder den Poetry Slam von Julia Engelmann „Eines Tages, Baby…“ der seit mehr als drei Jahren hierzulande nicht nur durch die Köpfe der ursprünglichen Adressaten, der „Generation Y“, geistert, sondern viele Altersklassen berührt? Beide handeln davon, dass die Zeit verrinnt und viele kleine und große Lebensträume nur ein Traum bleiben.

Ein wie wir finden trauriger Gedanke, der uns – Andrea und Nico – dazu motivierte, HelloWorld ins Leben zu rufen, ein ganz persönliches Projekt, das uns den notwendigen Handlungsrahmen vorgibt, um vor allem einen Traum, der uns ganz besonders am Herzen liegt, Wirklichkeit werden zu lassen: Wir wollen Geschichten schreiben, die davon handeln, wie wir uns zu Fuß durch fremde Länder bewegen, davon, wie es ist, Menschen anderer Kulturen näher zu kommen und wie es sich anfühlt unterwegs zu sein in der Natur, fern ab von Touristenzentren.

Jetzt mit Anfang fünfzig fühlen wir uns körperlich und mental noch fit genug, die damit verbundenen Anstrengungen auf uns zu nehmen. Natürlich aber wissen wir auch, dass wir bei unserem Vorhaben möglicherweise an unsere Grenzen und darüber hinausgehen (müssen). Und selbstverständlich ist uns bewusst, dass wir scheitern können. Aber um weiterzukommen gilt es schließlich auch Risiken einzugehen, ansonsten droht Stillstand – unserer Überzeugung nach eines der größten Risiken, die das Leben mit sich bringt.

Also worauf noch warten? Auf geht’s. Lass uns tun, ganz nach unserem Motto:

„Machen ist wie wollen, nur krasser!“

Aus diesen Überlegungen heraus starteten wir mit der Planung unseres „Abenteuer spanische Nordküste“: zu Fuß 1.200 Kilometer in 60 Tagen, immer an der Küste entlang durch das Baskenland, Kantabrien, Asturien und Galicien.

Unsere Tour sollte dabei nicht nur auf mehr oder weniger ausgeschilderten und populären Wanderwegen wie zum Beispiel auf dem Camino del Norte oder dem Fernwanderweg E9 verlaufen. Um stets möglichst nahe an der Küste zu sein, wollten wir uns vielmehr auch abseits dieser eingelaufenen Pfade fortbewegen und begaben uns auf die Suche nach entsprechendem Kartenmaterial.

Dieses Bild an der spanischen Nordküste zeigt ein Selfie von Andrea und Nico vor einer Traumkulisse mit türkisfarbenen Meer, weißem Strand und Felsen im Hintergrund.
1.200 Kilometer entlang der spanischen Nordküste hinterlassen sicher viele Eindrücke und Geschichten, an die wir uns noch lange erinnern werden.

Trotz intensiver Recherchen im Internet und in einschlägigen Buchhandlungen konnten wir jedoch nicht zu allen Tourenabschnitten schlüssige Informationen finden und haben daher mit Hilfe von GoogleMaps unsere eigenen GPS-Dateien erstellt. Häufig haben wir uns dabei gefragt, ob sich dieser Aufwand lohnt. Heute wissen wir: Jede Minute, die wir in die Planungen unserer HelloWorld-Route gesteckt haben, war es wert. Die Route hat uns eine traumhafte Tour beschert, voll mit Erlebnissen und Eindrücken, die wir nun mit nach Hause gebracht haben und hier für alle Wanderbegeisterte, Backpacker, Naturliebhaber und Pilger gleichermaßen zusammenfassen.

Ob Informationen zur Streckenführung und Wegbeschaffenheit, ausgewählte Highlights und Sehenswertes, Hinweise zu landesspezifischen Besonderheiten oder auch persönliche Erfahrungen und wichtige „Lessons Learned“: In insgesamt neun Teilen berichten wir aus welchem Stoff unser „Traum vom Abenteuer spanische Nordküste“ gemacht ist und hoffen, dass wir mit unseren „Geschichten vom Weg“ zumindest ein klein wenig die Faszination, die die spanische Nordküste auf uns ausgestrahlt hat, vermitteln können.

Wenn uns das gelingt, freuen wir uns und stehen bei Fragen rund um den „spanischen Küstenweg á la HelloWorld“ selbstverständlich auch gerne zum persönlichen Austausch zur Verfügung. Einfach hier Kontakt aufnehmen.

Jetzt wünschen wir aber erst einmal viel Lesevergnügen beim ersten Teil „Abenteuer spanische Nordküste“, der uns vom Ausgangspunkt Irun in das 160 Kilometer entfernte Bilbao führt.

Von wegen flach: Bergsteigen an der spanischen Nordküste

Es ist Anfang Mai als wir unsere Reise antreten. Nach einem dreistündigen Flug nach Bilbao und einer anschließenden rund zwei Stunden dauernden Busreise stehen wir in Irun, dem Ausgangspunkt für unser „Abenteuer spanische Nordküste“, das uns bereits in den ersten Tagen ganz schön fordert.

Das Bild zeigt eine Landkarte, auf der der erste Streckenabschnitt entlang der spanischen Nordküste von Irun nach Bilbao dargestellt ist.
Rund 160 Kilometer beträgt der erste Streckenabschnitt des “Abenteuer spanische Nordküste” und führt uns von Irun nach Bilbao.

Rund 160 Kilometer mit einem Gesamtanstieg von fast 5.000 Höhenmetern in sieben Tagen: Diese zahlenmäßige Bilanz der ersten Woche lässt erahnen, dass der Weg in Sachen Kondition und Technik einige Anforderungen stellt. Und in der Tat: Von Irun über San Sebastian nach Bilbao durchleben wir im Hinblick auf diesen ersten Wegabschnitt ein einziges Auf und Ab und bringen so unseren „Motor“ schon einmal auf Betriebstemperatur.

Bereits auf den ersten Kilometern geht es steinig aufwärts auf den Berggrat des Jaizkibel, dessen höchster Punkt bei rund 550 Metern liegt. Dass dabei mit einem über 12 kg schweren Tourenrucksack auf dem Rücken die eine oder andere Schweißperle rinnt, ist verständlich. Dafür werden wir aber mit einem wunderbaren Panoramablick belohnt.

Überhaupt: Sagenhafte Fernsichten in alle Himmelsrichtungen bieten sich entlang des Weges immer wieder, aber geschenkt bekommt man hier wahrlich nichts. Auf dem Weg nach Bilbao vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens 600 Meter Gesamtanstieg bzw. Gefälle vor uns liegen und auf zwei Strecken durchbrechen wir sogar die Tausend-Meter-Grenze: zwischen Zarautz und Deba entlang der Steilküste und auf dem Weg von Deba über Larruskain nach Markina-Xemein.

Ja, dieser Teil des Küstenwegs hat es in sich und benötigt schon eine größere Portion sportlicher Ambitionen. Und dennoch: Er ist sehr angenehm zu laufen. Vielleicht liegt dies auch ein wenig an der Beschaffenheit der Wege, die wir für unsere Tour ausgewählt haben. Wo immer die offizielle Beschilderung des spanischen Küstenwegs über harte, „laufunfreundliche“, asphaltierte und betonierte Nationalstraßen oder größere Landstraßen führt, suchen wir nach Ausweichmöglichkeiten und werden fast immer angenehm vom Streckenprofil abseits der „eingetretenen Pfade“ überrascht:

Weicher Waldboden, Wiesen, Feld- und Forstwege, sandiger Untergrund, alte gepflasterte oder unbefestigte Straßen sorgen für Abwechslung beim Laufen, was offensichtlich auch unseren Füßen gut bekommt. Da nehmen wir doch gerne auch ein paar zusätzliche Anstrengungen in Kauf, die aber mit Trittsicherheit, ein wenig Technik und einem gesunden Maß an Kondition ohne Probleme machbar sind. Naja, wenn man einmal von einem kleinen Zwischenfall absieht…

Nur ein Moment der Unachtsamkeit…

Es geschieht am späten Nachmittag des dritten Tages. Wir sind unterwegs nach Zarautz, fühlen uns wunderbar beschwingt, albern herum, blicken durch die Gegend, freuen uns einfach des Lebens und dann passiert es: Eine rutschige und nasse Passage durch den Regen am Vormittag, ein Stein, eine kurze Unachtsamkeit, das ungewohnte Drehmoment mit dem Rucksack auf dem Rücken und die Schwerkraft sorgen für eine Verkettung von Umständen, die Andrea zu Fall bringen.

Mit einem schmerzhaften Aufprall landet sie auf der linken Körperseite. Ein Sturz, der durch den Rucksack glücklicherweise ein wenig aufgefangen wurde, sonst wäre womöglich Schlimmeres passiert. Nach einer Schrecksekunde rappelt sie sich wieder auf und checkt ihre Gliedmaßen. Soweit scheint alles in Ordnung. Ein paar Schrammen am Ellenbogen, die seitlichen Rippen schmerzen etwas, der Oberschenkel tut ein wenig weh, aber ansonsten keine sichtbaren Verletzungen. Nach einer kleinen Pause laufen wir weiter, merken aber schnell, dass der Sturz Andrea doch mehr zu schaffen macht, als gedacht und sind froh, als wir am Tagesziel Zarautz ankommen. Ein paar Aspirin, früh schlafen gehen und Kraft tanken für morgen…

Am nächsten Tag ist klar: Die Schmerzen an den Rippen haben sich nicht in Luft aufgelöst und wir entscheiden, im Ort einen Arzt aufzusuchen, um sicher zu gehen, dass keine größeren Blessuren durch den Sturz entstanden sind, bevor wir weiterziehen. Im Hotel rät man uns dazu, direkt das öffentliche Krankenhaus aufzusuchen und so machen wir uns auf den Weg in die Notaufnahme. Nach längerer Wartezeit und Röntgen steht fest, dass sich Andrea eine starke Rippenprellung zugezogen hat, glücklicherweise ist aber nichts gebrochen. Mit einem Rezept für Schmerztabletten und entzündungshemmende Mittel gehen wir in die Apotheke und holen uns die runden kleinen Pillen, die Andreas pharmazeutische Begleiter für die nächsten vier bis fünf Wochen sein werden. So lange dauert es nämlich in der Regel, bis die Prellung abgeheilt ist.


♦ ♦ ♦ Notfall, was dann? Drei Informationen zur medizinischen Versorgung in Spanien ♦ ♦ ♦

Das „Abenteuer spanische Nordküste“ zu planen, bedeutet auch, für den medizinischen Notfall vorzusorgen, kann dieser schließlich – wie wir selbst erfahren haben – schneller als man denkt eintreten.

Das Bild zeigt die Medikamente der Reiseapotheke, die wir an der spanischen Nordküste im Gepäck gehabt haben.
Eine Reiseapotheke mit den wichtigsten Medikamenten sollte auf jeder Packliste stehen.
  1. Europäische Krankenversichertenkarte
    Auf jeden Fall mit ins Gepäck gehört die europäische Krankenversichertenkarte. Mit ihr haben Versicherte Anspruch auf Leistungen, die während des Aufenthalts in einem EU-Mitgliedstaat medizinisch notwendig werden. Anfallende Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse im Heimatland entsprechend des jeweils geltenden Kostenrahmens erstattet. Wer diese Versicherungskarte im EU-Ausland nicht vorlegen kann, wird zwar auch behandelt, muss aber unter Umständen die Kosten direkt vor Ort – teilweise sogar bar – bezahlen und nach seiner Rückkehr versuchen, diese von seiner Krankenkasse wieder erstattet zu bekommen. Aber Achtung: Die normalen gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Behandlungskosten nur maximal in der Höhe der deutschen Vertragssätze. Für eventuelle landesspezifische Mehrkosten muss man selbst aufkommen. Außerdem stehen bestimmte Maßnahmen wie zum Beispiel ein medizinisch notwendiger Rücktransport überhaupt nicht im Leistungsverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen und müssen im Fall der Fälle vollständig aus eigener Tasche bezahlt werden – was schnell mehrere Tausend Euro kosten kann.
  2. Arzt, Gesundheitszentren, Krankenhaus – wo hin?
    Um die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse im Krankheitsfall sicherzustellen, ist der Gang in ein staatliches Krankenhaus oder Gesundheitszentrum zu empfehlen. Nachteil: Hier sind häufig Spanisch-Kenntnisse oder ein dolmetschender Begleiter erforderlich, um sich zu verständigen. In privaten Einrichtungen hingegen sprechen Ärzte und Pflegekräfte in der Regel englisch, wenn nicht gar deutsch, allerdings gilt die europäische Krankenversichertenkarte in privaten Einrichtungen nicht zwingend und die Kosten müssen unter Umständen selbst getragen werden.
  3. Hilferuf
    Medizinische Hilfe kann man in Spanien, wie in Deutschland auch, über die Notrufnummer 112 rufen. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass gerade außerhalb der Touristenzentren am anderen Ende der Leitung nicht unbedingt ein deutsch- oder englischsprechender Gesprächspartner zur Verfügung steht. Alternativ kann es daher sinnvoll sein, zum Beispiel die ADAC-Auslandsnotrufstation in Barcelona unter der Telefonnummer +34 93 508 28 28 zu kontaktieren, da hier alle Notrufe auch in Deutsch entgegengenommen werden können.

Tipp: Wer sich für eine längere Zeit im Ausland aufhält, sollte über den Abschluss einer zusätzlichen Auslandskrankenschutzversicherung nachdenken, die die Kosten der medizinischen Untersuchungen und Behandlungen sowie für verordnete Arzneimittel, die nicht durch die normale gesetzliche Krankenversicherung gedeckt sind und einen im Ernstfall notwendigen Rücktransport übernimmt. Außerdem: Vor Reisebeginn mit der eigenen Krankenversicherung bzw. mit der Auslandskrankenschutzversicherung abklären, über welchen Kanal man im Notfall am besten Hilfe anfordern kann.


„Quäl Dich Du Sau“

Mit Ibuprofen im Blut geht es die nächsten Tage weiter. Der Weg führt zunächst von Zarautz nach Deba, dann nach Markina-Xemein und schließlich bis nach Gernika. Mit einer durchschnittlichen Streckenlänge von 20 bis 22 Tageskilometer bewältigt glücklicherweise auch Andrea die jeweiligen Strecken den Umständen entsprechend gut. Dann aber kommt Tag vier nach dem Unfall. Als Ziel ist das über 30 km entfernte Bilbao vorgesehen.

„Laufen, Laufen, Laufen“ oder frei nach Udo Bölts (jahrelange „Zugmaschine“ von Jan Ulrich), „Quäl Dich Du Sau“, so lässt sich diese Etappe am besten beschreiben. Die ersten zehn Kilometer verläuft noch alles problemlos. Danach aber zieht sich der Weg gefühlsmäßig wie Kaugummi und während wir in den vergangenen Tagen jeden Schritt in vollen Zügen genossen und die Umgebung regelrecht in uns aufgesogen haben, bleibt jetzt nur noch wenig Sinn für das Schöne um uns herum.

Andrea kämpft mit Rippenschmerzen, Nico mit rund fünf Kilogramm Mehrgepäck aus Andreas Rucksack und damit insgesamt 17 Kilogramm auf dem Rücken. So erreichen wir nach weiteren zehn Kilometern das Örtchen Lezama und überlegen, ob wir hier für heute stoppen sollen. Vieles spricht dafür, aber dennoch haben wir nach wie vor unser Ziel Bilbao vor Augen und entschließen nach einer längeren Rast den Weg fortzusetzen.

Irgendwann stehen wir schließlich am Stadtrand. Jetzt noch hinein ins Zentrum, bis zum Hotel, dann geht wirklich nichts mehr. Den geplanten abendlichen Bummel mit Kneipentour durch die Stadt streichen wir von der Agenda, besorgen uns stattdessen eine Flasche Wein und ein paar Pinchos in einer Bar um die Ecke, lassen uns damit am Ufer der Ria de Bilbao nieder und hängen unseren Gedanken nach.

Es sind gerade einmal acht Tage her, dass wir in unser „Abenteuer spanische Nordküste“ gestartet sind und doch erscheint es uns schon wie eine halbe Ewigkeit. Es ist viel passiert und wir lassen die vielen wundervollen Eindrücke Revue passieren.

Die Highlights: Von Wildpferden bis Flyschrocks

Abgesehen von den wirklich tollen Laufwegen und den immer wieder betörenden Weitblicken hinaus auf den Atlantik und hinein ins Landesinnere erinnern wir uns dabei vor allem an folgende Momente besonders gerne:

Wild lebende Pferde

Ein Highlight erlebten wir gleich am ersten Tag auf dem Weg nach Pasai. Nachdem wir es auf den Jaizkibel geschafft hatten, sahen wir uns unerwarteten „Zuschauern“ gegenüber stehen: Gut 30 Pferde, präziser gesagt Wildpferde, sind auf der Wiese versammelt. Friedlich und ohne jegliche Scheu lassen sie sich das grüne Gras schmecken. Eines der hübschen Vierbeiner ist besonders neugierig, kommt auf uns zu, bleibt stehen und fast entsteht der Eindruck, er wolle uns willkommen heißen, hier oben auf dem Berg, auf dem es vor allem eines gibt: Natur pur.

Gefaltete Felsen: Flyschrocks

Ein ganz anderes Naturerlebnis hier an der Nordküste Spaniens bot sich Richtung Deba. Der für sich alleine schon beeindruckende Küstenweg wartet an dieser Strecke mit einem geologischen „Schatz“ auf, der sich Dank des nicht ganz so hohen Wasserstandes von seiner besten Seite zeigt: die Flyschrocks. Der Ausdruck kennzeichnet eine Art Gesteinsformation, bei der Felsplatten auf- bzw. nebeneinander geschichtet sind. Und diese Formationen sehen in der Tat großartig aus, lassen sich aber nur schwer in Worte fassen und wir hoffen, dass wir mit den folgenden mitgebrachten Foto- und Video-Ausschnitten ein wenig die schönen Bilder, die wir im Kopf haben, transportieren können. Dass dieser als „Flyschroute“ bezeichnete Wegabschnitt zwischen Zumaia und Deba eine besondere Attraktion im Baskenland darstellt und jedes Jahr zahlreiche Besucher extra zur Besichtigung anreisen, können wir uns auf jeden Fall gut vorstellen.

Alte Gemäuer

Nicht minder fühlten wir uns aber auch angezogen von den zahlreichen alten Gemäuern, die wir am Rande des Weges sehen. Ob Wachturm, Kloster, Kirche oder Haus, ob Ruinen oder saniert, ob bewohnt oder schon längst nicht mehr genutzt… aus irgendeinem Grunde ziehen sie immer wieder unsere Blicke auf sich. Von diesen „Sehenswürdigkeiten“ geht für uns eine gewisse Faszination aus, die wir nur schwer beschreiben können. Es ist eine Faszination, die uns die ganze lange Reise hinweg immer wieder begegnen und begleiten wird. Wir sind überzeugt: Wer ein Faibel für den „Charme des Vergänglichen“ hat, der kommt an der spanischen Nordküste garantiert auf seine Kosten.

Charmante, kleine Orte an Spaniens Nordküste

Apropos Charme: Den versprühen auch viele der kleinen Küstenorte und Dörfer entlang der spanischen Nordküste, zu denen für uns sicher Pasai Donibane mit seinen bunten Häusern direkt am Wasser entlang, der Fischerort Getaria, Zumaia und das im Landesinneren liegende Larruskain gehören. Alle vier sind Beispiele von Plätzen, an denen wir uns sehr gerne ein wenig länger umgesehen hätten und die unseres Erachtens den immer wieder in Wanderführern zitierten „schönsten Ort Europas“ – San Sebastian – in Sachen „Wohlfühlatmosphäre“ in nichts nachstehen. Im Gegenteil…

Auf dem Bild sieht man Zumaia, einen Küstenort an der spanischen Nordküste, der an einer Bucht liegt.
Kleine Orte – hier im Bild Zumaia- laden überall an der spanischen Nordküste zum Verweilen ein.

Verrückt nach Pinchos

Doch selbstverständlich haben wir aber auch unseren Aufenthalt in San Sebastian und ein paar Tage später in Bilbao im wahrsten Sinne des Wortes genossen – nicht zuletzt, weil beide mit hervorragenden Pincho-Bars aufwarten. In den meist rustikal anmutenden Kneipen werden die kleinen, teils kunstvoll gestalteten Snacks serviert, die ein wahrer Augenschmaus sind und auch geschmacklich überzeugten. Die in vielfältigsten Erscheinungsformen erhältlichen Spezialitäten werden wir später noch sehr vermissen, da sie außerhalb des Baskenlandes nur selten zu finden sind. Aber wir haben uns geschworen zuhause einmal selbst Hand anzulegen und einige Sorten nach zu kochen. Wenn uns dies gelingt, findet man die dazugehörenden Rezepte dann bald in unserer Rubrik „HelloWorld Kulinarisches“. Versprochen!

Lessons Learned

Ein bisschen Jakobsweg, ein wenig GR 121 und ein kleines Stück kreative Weggestaltung: Aus diesen Zutaten hat sich also die erste Teilstrecke unseres „Abenteuer spanische Nordküste“, die uns von Irun nach Bilbao führte, zusammengesetzt. Eine Route, die wir wirklich Pilgern, Wanderern und Backpackern gleichermaßen empfehlen können, aber an dieser Stelle auch festhalten: Das ist kein Weg für alle (Fälle)!

Wer das Unterwegs-sein mit sportlicher Herausforderung kombinieren möchte, ist hier richtig. Wer sich auf dem Weg jedoch lieber treiben lassen und seinen Gedanken nachhängen möchte, dem würden wir diese küstennahe Route so nicht empfehlen, fordert doch der Weg in weiten Zügen ungeteilte Aufmerksamkeit.

Kondition, Trittsicherheit, zumindest ein gewisses Maß an Technik und möglichst keine Höhenangst: So lassen sich dann auch die persönlichen Anforderungen, die man für diese Strecke mitbringen sollte, formulieren. Dennoch Vorsicht:

Bei Regenwetter raten wir auch erfahrenen und versierten Wanderern dazu, einige der steilsten Abschnitte wie zum Beispiel den Aufstieg zum Berggrat des Jaizkibel oder die Flyschroute zu umgehen und eher auf die Landstraßen auszuweichen. Denn wie wir es selbst erlebt haben, können bereits vermeintlich einfache Wege bei nicht ganz so günstigen Wetterbedingungen angesichts des Rucksackes auf dem Rücken schon einmal zur echten Herausforderung werden. Wenn es dann noch bergauf geht, sich der Regen einstellt und es überall glatt und matschig wird, könnte sich eine „Rutschpartie“ wie die von Andrea schnell als lebensgefährlich erweisen.

Die spanische Nordküste fordert eines: Respekt!

Glücklicherweise ist bei unserem Zwischenfall aber alles nochmal gut gegangen. Vielleicht war der schmerzhafte Ausrutscher einfach ein notwendiges „HalloWach“ und ein Zeichen dafür, trotz relativ guter körperlicher und mentaler Kondition nicht zu leichtsinnig und übermütig zu werden. „Nehmt mich ernst und seid aufmerksam – kurz: Habt Respekt!“ scheint uns der Weg zugerufen zu haben. Und ja: Die Botschaft ist definitiv angekommen. WIE wichtig diese Sensibilisierung noch sein würde, wird uns allerdings erst viele Wochen später auf den schmalen Pfaden der Costa da Morte bewusst werden.

Bis dahin stehen uns aber noch eine ganze Reihe anderer Aufgaben bevor. Weshalb zum Beispiel die Frage nach der Verpflegung einem zum Wahnsinn treiben kann, welche Rolle die Routine spielt und weshalb in Santander alles anders lief als geplant, darüber berichten wir im nächsten Erlebnisbericht. Dann wird uns das „Abenteuer spanische Nordküste“ ins rund 270 Kilometer entfernte Ribadesella führen.

>> Und so geht es weiter: Walk, Eat, Sleep, Repeat: Das Abenteuer spanische Nordküste . Teil 2
Der zweite Teil des Erlebnisberichts „Abenteuer spanische Nordküste“ erscheint in Kürze.

>> Was bisher geschah: Das Abenteuer spanische Nordküste – Die Planung

 


Nicht verpassen!
Neben unserem insgesamt 9-teiligen Erlebnisbericht zum „Abenteuer spanische Nordküste“ stellen wir auf www.hello-world.net demnächst allen Interessierten auch weitere nützliche Informationen rund um diese Wanderroute zur Verfügung: von GPS-Daten, Höhenprofilen und Google Maps bis zu Albergenübersichten sowie Bilder- und Videogalerien. Einfach in Kontakt bleiben über unser Facebook– oder Instagram-Profil.

6 Kommentare

  1. Lieber Nico, liebe Andrea!
    Nun hab ich zum ersten Mal in Euren Bericht reingelesen und habs richtig bedauert, als ich durch war… Freu mich schon auf die Fortsetzung und bin besonders gespannt auf den Teil des Weges, den ich noch nicht kenne.
    Dass Andrea bei unserem Kennenlernen verletzt war, habt Ihr gar nicht erzählt! Da bin ich ja jetzt im Nachhinein noch ganz bestürzt! Also das nenn ich mal Konsequenz, den Weg trotzdem so durchzuziehen!

    Eure “Warnungen”, es wäre kein Weg für alle, lassen mich als gelernte Österreicherin ein bisschen schmunzeln. Ich lade Euch hiermit herzlich ein, nach Österreich zum Wandern zu kommen! 😉
    Aber vermutlich habt Ihr Recht – der Großteil der Pilger/-innen ist wohl Tagesetappen mit mehreren hundert Höhenmetern nicht gewöhnt.

    Also – bis zum nächsten Mal!
    Liebe Grüße, Martha

    1. Liebe Martha,

      schön von Dir zu hören und lieben Dank für Dein Feedback zum Start ins „Abenteuer spanische Nordküste“. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Zusammenfassung der nächsten Etappen und hoffen, dass wir Dich mit unserer Berichterstattung – vor allem von der Costa da Morte – dann vielleicht zum Nachwandern begeistern können. Was unsere Hinweise zum Weg angeht, musste ich ja selbst erleben, wie schnell trotz relativ guter Kondition und Technik ein Unfall passieren kann und im schlimmsten Fall sogar mit dem frühzeitigen Abbruch einer Tour hätte enden können. Glücklicherweise haben sich die Konsequenzen des Sturzes bei mir in Grenzen gehalten, aber lassen wir mal Revue passieren, wen wir unterwegs so alles getroffen haben, ist es unserer Überzeugung nach in der Tat so, dass wir die Strecke nicht für alle (Fälle) empfehlen können. Nicht nur, aber auch wegen der Höhenmeter bei fehlendem „Höhentraining“ der „Flachlandtiroler“. Apropos Höhentraining: Auf Deine Einladung, Österreichs Berge zu erklimmen, kommen wir gerne bei Gelegenheit einmal zurück.

      Für heute herzliche Grüße auch von Nico
      Andrea

  2. Hallo Andrea, hallo Nico,

    super Bericht. Sehr schöne Fotos.

    Ich könnte sofort wieder losfahren, wenn ich das hier lese :-/
    Seufz, Fernweh…

    Freue mich schon auf die weiteren Teile!!! 🙂

    Gruss aus Frankfurt ,
    Martin

    1. Lieber Martin,

      vielen Dank für Dein Feedback zum Beitrag. Bei der Aufbereitung der Erlebnisse in Text und Bild kommt auch bei uns hier das Fernweh immer wieder auf. Ja, es war wirklich toll und wir hoffen auch mit den kommenden Berichten die Faszination, die die spanische Nordküste ausstrahlt, wiedergeben zu können. Wir wissen nicht, ob Du schon das Video dazu kennst, das wir vor einigen Tagen in den sozialen Medien verbreitet haben. Falls nein, hier der Link zu unserem ersten “Gehversuch” in Sachen Bewegtbild. https://www.youtube.com/watch?v=5OHk-j_22VA

      Vorsicht jedoch, Fernweh könnte sich noch einmal potenzieren… 🙂

      Herzliche Grüße nach Frankfurt in die Runde

      Andrea (& Nico)

  3. Liebe Andrea, lieber Nico,
    Eure Bilder und Euer Bericht wecken Erinnerungen. Ich bin eine Woche vor Euch in Irun gestartet und bin bis Ribado gelaufen. Schon unterwegs habe ich öfter mal in Euren Blog geschaut und mich immer gefreut, wenn Ihr Fotos gemacht habt von Abschnitten, wo ich die wenigen Regentage meiner Reise hatte und keine gemacht habe. Ich kann jeden Schritt bergauf und bergab des ersten Teil nachvollziehen und freue mich über die weiteren Berichte. Leider sind wir uns auf dem Weg nicht begegnet.

    Macht weiter so Ihr tut das Richtige!
    Liebe Grüße Karin

    1. Liebe Karin,

      herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Da wir uns ja sozusagen die “Fußstapfen” auf dem Küstenweg mit ein wenig Zeitversatz geteilt haben, freuen wir uns ganz besonders, wenn wir Deine eigenen Erlebnisse auch mit unserem Bericht nochmals ein wenig aufleben lassen können. Bis wir mit unserer Nachschau in Ribadeo ankommen, dauert es noch eine kleine Weile und wir hoffen, dass Dir auch die nächsten Berichte Freude bereiten. Vielleicht magst Du uns ja aber auch nach unserem gemeinsamen Weg noch treu bleiben und erfahren, wie sich der Küstenweg zwischen Ribadeo und Finisterre anfühlt. Und wer weiß, vielleicht erzählst Du uns dann bald von Deiner Tour über die Costa da Morte 🙂 Das wäre schön.

      Hast Du übrigens schon unser Video zum “Abenteuer spanischer Küstenweg” gesehen? Falls nein, hier kannst Du es direkt anschauen https://www.youtube.com/watch?v=5OHk-j_22VA und noch ein bisschen in dieser wie wir finden traumhaften Landschaft schwelgen.

      Freuen uns auf ein Wiederlesen und wünschen Dir noch eine schöne Zeit
      Andrea & Nico

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