Via Jacobi – der Schweizer Jakobsweg vom Bodensee zum Genfer See

Hier sieht man eine Karte mit dem Routenverlauf der Via Jacobi in der Schweiz, die vom Bodensee zum Genfer See führt.

Die Via Jacobi verläuft auf einer Länge von rund 450 Kilometern quer durch die Schweiz von Rorschach am Bodensee bis nach Genf. Diese Route gehört mit Blick auf das Höhenprofil sicher zu einem der anspruchsvollsten Jakobswege Europas. Doch die Anstrengungen werden belohnt. Großartige Landschaftsbilder, geprägt von traumhaften Seen und den Gipfeln der Alpen und des Berner Oberlandes, sorgen hier genauso für Abwechslung wie kulturelle Sehenswürdigkeiten, Kirchen und Klöster am Rande dieses Schweizer Jakobsweges.

Via Jacobi – Etappenplanung

Wie lange man auf der Via Jacobi unterwegs ist, hängt natürlich stark von der eigenen Kondition ab und davon, wie man seinen Jakobsweg durch die Schweiz erleben möchte. Sportliche Herausforderung oder eher Entschleunigung ist die Frage, deren Antwort auf die Etappenplanung maßgeblichen Einfluss hat. Ein Beispiel für eine Einteilung, in der sich längere und kürzere Etappen abwechseln, zeigt die nachfolgende Tabelle:

Etappevon - bisDistanz
1Rorschach - Herisau25 km
2Herisau - Wattwill 24,5 km
3Wattwil - Rapperswil (über Eschenbach)28 km
4Rapperswil - Einsiedeln17 km
5Einsiedeln - Schwyz19 km
6Schwyz - (Schifffahrt) - Stans29 km
7Stans - Flüeli-Ranft17 km
8Flüeli-Ranft - Brünigpass23,5 km
9Brünigpass - Interlaken30 km
10Interlaken - (Schifffahrt) - Spiez13,5 km
11Spiez - Wattenwil23 km
12Wattenwil - Schwarzenburg21 km
13Schwarzenburg - Fribourg20 km
14Fribourg - Romont27 km
15Romont - Moudon15 km
16Moudon - Lausanne 28 km
17Lausanne - Rolles29,5 km
18Rolle - Coppet28 km
19Coppet - Genf17,5 km

Jakobsweg Rorschach – Genf: besondere Merkmale

Der offizielle Start in Rorschach  findet am so genannten Jakobsbrunnen statt, der genau an der Stelle errichtet wurde, wo bis ins 19. Jahrhundert noch eine historische Pilgerraststätte in Form einer Kapelle stand.

90 Kilometer bis zum Pilgerzentrum Einsiedeln

Der erste Streckenabschnitt führt über eine anspruchsvolle, gebirgige Route zunächst über St. Gallen und Herisau nach Wattwill, einem weiteren geschichtsträchtigen Ort mit einer Jahrhunderte alten Pilgertradition. Wer hier Station machen möchte, kann im ehemaligen Kapuzinerinnenkloster St. Maria der Engel übernachten. Bereits 1621 erbaut, ist die hervorragend erhaltene Klosteranlage mit ihrer hochbarocken Klosterkirche für Kulturinteressierte aber auf jeden Fall einen Besuch wert, bevor der nächste Streckenabschnitt folgt.

Die kargen und schroffen Berggipfel der Schwyzer Voralpen, schöne Hohlwege und ein wunderbarer Blick auf den Zürichsee begleiten die weiterhin anspruchsvollen Bergetappen nach Einsiedeln, das Pilgerzentrum der Schweiz. Der Ort mit seiner Klosterkirche Einsiedeln, in deren Gnadenkapelle man die Schwarze Madonna sehen kann, ist schon seit dem Mittelalter ein wichtiger Knotenpunkt und heute der meistbesuchte Wallfahrtsort der Schweiz, der nicht nur Pilger, sondern jedes Jahr auch zahlreiche Touristen anzieht.

Auf der Via Jacobi bis zum Genfer See

Immer noch die beeindruckende Bergkulisse vor Augen geht es von Einsiedeln nun weiter nach Schwyz, Hauptstadt des gleichnamigen Kantons, wo mit dem Haus Bethlehem aus dem Jahr 1287 ein Zeitzeuge der Gründung der Schweiz zu besichtigen ist.

Durch die Alpenlandschaft schlängelt sich die Via Jacobi anschließend vom Vierwaldstättersee, entlang des Brienzersees und des Thunersees bis nach Spiez, wo etwa die Hälfte der Gesamtstrecke geschafft ist. Hier ist das Schloss Spiez, das in Teilen bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht, einen Besuch wert und sogar für Fußballfans hält der Ort ein Highlight bereit. Schließlich ist im Hotel Belvedere 1954 die deutsche Fußballnationalmannschaft untergebracht worden und hat den berühmten „(Mannschafts-)Geist von Spiez“ entwickelt, um am Ende das vielzitierte Wunder von Bern zu vollbringen.

Und auch auf der Via Jacobi geht es sportlich weiter, wenngleich die Auf- und Abstiege nicht mehr die „Höhepunkte“ des bisherigen Routenabschnittes erreichen. Dafür warten aber weitere kulturelle Attraktionen darauf entdeckt zu werden. Im Kanton Freiburg wird mit der gleichnamigen Stadt ein wahres Füllhorn an historischen Bauwerken, Sehenswürdigkeiten und verwinkelten Gassen in der gut erhaltenen, geschichtsträchtigen Altstadt. Die Kathedrale Sankt Nikolaus sticht dabei schon von weitem heraus, wobei erkundungsfreudige Wanderer auch unauffälligere Highlights entdecken können wie zum Beispiel das Kriegerdenkmal, das auch an die Zeit erinnert, in der der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry hier die Schule besuchte.

„Wenn du das Glück begreifen willst, musst du es als Lohn und nicht als Ziel verstehen.“ Antoine de Saint-Exupéry

Schließlich wird in der Stadt Lausanne der Genfersee erreicht, an dessen Ufernähe die letzten Etappen bis zum Ziel entlangführen. Hier sind es nun weniger die täglichen Höhenmeter der Alpen, sondern die längeren Strecken, die die Jakobswegreisenden herausfordern.

Die Kathedrale Sankt Peter aus dem 13. Jahrhundert und das Geburtshaus von Jean-Jacques Rousseau bieten neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Genf schließlich einen würdigen Abschluss für diesen herausfordernden Jakobsweg Schweiz.

WEGVERBINDUNGEN Die Via Jacobi ist die Fortsetzung des Münchner Jakobsweges und geht am Zielort Genf in den französischen Jakobsweg Via Gebennensis über.

Jakobsweg vom Bodensee nach Genf – Infrastruktur und Wegbeschaffenheit

Die Via Jacobi ist großartig, aber alles andere als ein Spaziergang. Manche Etappen auf diesem Jakobsweg Schweiz bringen hohe dreistellige oder wie auf der ersten Streckenhälfte gar vierstellige Höhenmeter mit sich. Wer hier seine Jakobswegreise plant, tut gut daran, bei der Einteilung der Etappenlänge auch die Höhenmeter im Auge zu behalten.

Dank der touristisch gut erschlossenen Region lassen sich die Etappen relativ flexibel unterteilen und an den jeweiligen Start- und Endpunkten finden sich meist mehrere kommerzielle Unterkünfte zur Auswahl, wenn auch keine nennenswerte Infrastruktur mit Pilgerherbergen vorhanden ist.

Die Wanderstrecken der Via Jacobi bestehen in der Regel aus breiten Wegen durch Felder und Wälder und nur in seltenen Fällen aus schmalen Trampelpfaden. Markiert sind die Etappen mit der gelben Muschel auf blauem Grund, aber auch mit der weißen Vier auf grünem Grund, da der Jakobsweg Schweiz parallel zur „Wanderland Route Nummer 4“ verläuft.

Ein kleines Fazit

Jede Menge Berge mit eindrucksvollen Aussichten, fantastische Seen von Anfang bis zum Ende, charmante Ortschaften, kulturelle Höhepunkte: All dies bietet der Schweizer Jakobsweg Via Jacobi. Der reizvolle Facettenreichtum des charmanten Weges hat allerdings seinen Preis, der sich beim Schwierigkeitsgrad des Weges äußert. Aufgrund des herausfordernden Höhenprofils erscheint die Via Jacobi nämlich vor allem für erfahrene (Berg-)Wanderer und Pilger mit guter Kondition geeignet.

LINKTIPP: Weitere Informationen zur Via Jacobi gibt es auf der Webseite von Schweiz Mobil.

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