Pfälzer Jakobsweg – Zwei Routen von Speyer nach Hornbach

Hier sieht man die Karte mit der Route des Pfälzer Jakobsweges.

Der Pfälzer Jakobsweg gehört ganz sicher zu den Jakobswegen Deutschlands, die nicht nur mit Natur und Kultur punkten, sondern auch mit Wein, Genuss und Gastfreundschaft. Um all dies zu erleben, stehen gleich zwei Wegverläufe mit jeweils rund 150 Kilometern Länge zur Verfügung: die Pfälzer Jakobsweg Nordroute und die Südroute. Beide führen von der Domstadt Speyer aus bis zum Kloster Hornbach nahe der französischen Grenze und verbinden so den Zubringer aus Rothenburg ob der Tauber mit dem Weg nach Metz in Frankreich. Dabei haben beide Routen ihren besonderen Reiz.

Die Nordroute des Jakobsweges ab Speyer

Der Jakobsweg über die Pfälzer Nordroute verläuft über Neustadt an der Weinstraße,  eines der Zentren des deutschen Weinbaus und nicht zuletzt bekannt durch das Hambacher Schloss, Schauplatz des Hambacher Festes der deutschen Demokratiebewegung 1832.

Diese nördliche Wegvariante kann in der Regel in sechs bis acht Etappen bewerkstelligt werden. Ein Beispiel für die Etappenplanung zeigt die nachfolgende Tabelle.

Etappevon - bisDistanz
1Speyer - Neustadt28 km
2Neustadt - Elmstein25 km
3Elmstein - Trippstadt19 km
4Trippstadt - Landstuhl21 km
5Landstuhl - Lambsborn18,5 km
6Lambsborn - Niederauerbach20,5 km
7Niederauerbach - Kloster Hornbach13,5 km

Kultureller Start

In Speyer, dem Startpunkt des nördlichen Pfälzer Jakobswegs, lohnt sich ein längerer Aufenthalt. Die Liste der Sehenswürdigkeiten ist lang. An erster Stelle steht dabei sicher der Dom und damit die größte erhaltene romanische Kirche der Welt, deren Grundsteinlegung vermutlich bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Darüber hinaus hat die Stadt mit dem 55 Meter hohen Altpörtel eines der höchsten historischen Stadttore Deutschlands zu bieten und gewährt mit den „SchUM-Stätten“ unter anderem einen Blick auf ein um 1120 errichtetes jüdisches Ritualbad und auf Reste einer mittelalterlichen Synagoge.

Abwechslungsreiche Jakobswegroute

Mit diesen ersten eindrucksvollen Bildern im Gepäck startet die Pfälzer Jakobsweg Nordroute entlang des Speyerbachs. Vorbei an Wiesen wandert man bis nach Neustadt wo mit dem Mittelgebirgszug Haardt auch die Region Pfälzerwald betreten wird.

Auf dem folgenden meist in drei Etappen zurückzulegenden Streckenabschnitt über Elmstein und Trippstadt bis nach Landstuhl befindet man sich im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Es ist das erste grenzüberschreitende UNESCO Biosphärenreservat, das 1998 offiziell anerkannt wurde. Hier werden die Wanderer und Pilger von dichten Wäldern und einigen Höhenmetern erwartet, dafür aber auch mit weitreichenden Aussichten belohnt.

Am so genannten Johanniskreuz erreicht man mit 473 Metern über NHN den höchsten Punkt auf dem Pfälzer Jakobsweg. Diese Stelle gilt als ein historisch bedeutsamer Knotenpunkt für römische und keltische Handelsrouten. Drei steinerne Kreuze aus unterschiedlichen Epochen zeugen heute noch davon.

Im weiteren Verlauf  folgt man für eine ganze Weile der Karlstalschlucht, die häufig als eine der schönsten Wanderregionen der Pfalz vorgestellt wird. Und in der Tat: Mit dem Bachlauf der Moosalbe, den großen, moosbewachsenen Felsen und zahlreichen kleinen Holzbrücken bietet sich hier eine beinahe schon märchenhafte Kulisse.

Aber auch auf ihren letzten Etappen geizt die Pfälzer Nordroute nicht mit idyllischen Naturoasen. So geht es zum Beispiel vorbei am Naturdenkmal Elendsklamm mit Wasserfällen und treppenförmigen Kaskaden und in Zweibrücken kann ein 50.000m² großer Rosengarten bestaunt werden, einer der größten Gartenanlagen Europas.

Doch damit nicht genug. Überall laden unterwegs uralte Burgen und Schlösser zur Besichtigung ein und erzählen ein wenig über die Geschichte der Region, bis schließlich der würdige Abschluss der Reise auf dem Jakobsweg Pfalz bevorsteht: die Ankunft beim aus dem 8. Jahrhundert stammenden Kloster Hornbach.

Besonderheiten der Pfälzer Jakobsweg Südroute

Die Südroute des Jakobsweg Pfalz hat viel mit der Nordroute gemeinsam: den Start in der Domstadt Speyer, das Ende in Hornbach, den Verlauf durch das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, mittelalterliche Burgen entlang des Weges, die Länge der Route und die Anzahl der benötigten Etappen, die in der Regel bei sechs bis acht liegt.  Hier eine beispielhafte Etappenplanung:

Etappevon - bisDistanz
1Speyer - Germersheim19 km
2Germersheim - Herxheim22 km
3Herxheim - Ilbesheim19,5 km
4Ilbesheim - Lauterschwan23 km
5Lauterschwan - Fischbach21 km
6Fischbach - Kröppen22 km
7Kröppen - Kloster Hornbach16 km

Das Landschaftsbild des südlichen Routenverlaufs des Pfälzer Jakobswegs erscheint jedoch etwas abwechslungsreicher und wird auf der ersten Hälfte der Strecke viel stärker vom Rhein, von Weinbergen, Feldern und Wiesenlandschaften geprägt. Erst im beschaulichen Bad Bergzabern bestimmt dann der Pfälzerwald die Wanderumgebung und überrascht in Fischbach sogar mit einem der ersten Baumwipfelpfade Deutschlands.

Kurze Zeit nachdem man die Welt der Baumwipfel auf 35 Metern Höhe erkundet hat, wird die Landschaft aber auch schon wieder lichter. Mit freiem Blick und an Bächen entlang kann man die Umgebung genießen, während man sich auf der Südroute des Pfälzer Jakobsweges Kilometer für Kilometer dem Ziel Kloster Hornbach nähert.

Infrastruktur der Pfälzer Jakobswege

Sowohl die Nord- als auch die Südroute des Jakobsweg Pfalz verfügen über gut ausgebaute Wanderwege und Pfade. Die Wegmarkierung selbst allerdings kann durchaus verwirrend sein. Wo die typische Jakobsmuschel nicht die Richtung weist, finden sich Balken und Kreuze in unterschiedlichen Farben auf Baumrinden, Mauern oder Wegweisern und übernehmen je nach Wegabschnitt die Führung. Eine Navigationshilfe wie eine Wanderkarte oder GPS-Daten ist daher durchaus von Vorteil.

Vergleicht man das Höhenprofil beider Routen, erkennt man schnell, dass die Pfälzer Jakobsweg Nordroute mit je über 3.000 Höhenmetern Auf- und Abstieg anspruchsvoller ist als die Südroute, die lediglich die Hälfte der Höhendifferenzen aufweist.

Was die Infrastruktur in Sachen Unterkünfte angeht, so befinden sich auf der nördlichen Routenvariante weniger Unterkünfte entlang der Strecke als auf dem südlichen Jakobsweg Pfalz. Jedoch ist es je nach Jahreszeit und Saison auf beiden Strecken sinnvoll, vorab ein Zimmer zu reservieren. Mit einem Pilgerpass im Gepäck kann man dabei auch von Pilgerangeboten profitieren und sich an den Stempelstellen unterwegs die gelaufenen Kilometer bescheinigen lassen.

Ein kleines Fazit

Die nördliche Strecke des Pfälzer Jakobsweges ist insgesamt anspruchsvoller, weniger mit Übernachtungs-Infrastruktur ausgestattet und bietet dafür jedoch besonders eindrucksvolle landschaftliche Highlights. Ambitionierte Wanderer, die tägliche Höhenmeter nicht scheuen und die sich auf Wasserfälle, zerklüftete Schluchten und historisch bedeutsame Stätten freuen, sind auf der Nordroute bestens aufgehoben.

„Und wenn wir die ganze Welt durchreisen, um das Schöne zu entdecken: Wir mögen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht.“ Ralph Waldo Emerson, US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller

Wer es im Hinblick auf den Schwierigkeitsgrad etwas langsamer angehen lassen möchte, der bekommt auf der südlichen Route die Schönheit der Pfalz mit deutlich weniger Höhenmetern geboten und kann sich daher entspannt und in Ruhe auf die Sehenswürdigkeiten und eine höhere Dichte an Unterkünften freuen.

TIPP: Wie heißt es so schön: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wie wäre es dann mit einer rund 300 Kilometer langen Rundwanderung? Dazu einfach die Nord- und Südroute des Pfälzer Jakobsweges miteinander verbinden. Das Ergebnis ist garantiert eine abwechslungsreiche Jakobswegreise!

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