Das Abenteuer spanische Nordküste . Teil 5

Das Bild zeigt eine Frau mit türkisfarbenen Rucksack auf einem stark bewachsenen Weg an der spanischen Nordküste.

Ein herzliches Hallo! und Hola! zum 5. Teil unseres „Abenteuer spanische Nordküste“, einer 1.200 Kilometer langen Tour, die uns 60 Tage durch phantastische Landschaften Spaniens geführt hat.

Seit unserem Start in Irun (mehr darüber im Erlebnisbericht Teil 1) haben wir nunmehr weit über 900 Kilometer zurückgelegt und sind in A Coruna angekommen. Von hier aus werden wir uns die nächsten Tage sozusagen „zwischen den Welten“ bewegen: hinter uns der populäre Camino del Norte, vor uns die wenig bewanderte und wesentlich dünner besiedelte Costa da Morte. Dann ist es endlich so weit: Ab Malpica beginnt unsere mit Spannung erwartete Wanderung an der Todesküste.

Das Bild zeigt eine Landkarte, auf der der vierte Streckenabschnitt entlang der spanischen Nordküste von Ribadeo nach A Coruna dargestellt ist.
Rund 120 Kilometer beträgt die Distanz zwischen A Coruna und Corme, dem fünften Streckenabschnitt des “Abenteuer spanische Nordküste”.

Bis zu unserem gestrigen Besuch im Instituto Geografico Nacional in A Coruna (mehr hierzu im Erlebnisbericht Teil 4) waren unsere Gefühle für den weiteren Weg mangels fundierter Informationen noch etwas zwiegespalten. Doch nun, mit zwölf topologischen Karten und unseren selbst erstellten GPS-Tracks in der Tasche, fühlen wir uns wesentlich besser gewappnet.

Voller Vorfreude packen wir also wieder einmal unsere Rucksäcke zusammen und malen uns dabei aus, welche Facetten der spanischen Nordküste wir dieses Mal kennenlernen dürfen…

Erst kommt die Pflicht…

Unspektakulär geht es aber jetzt erst einmal zwei Tage und insgesamt knapp 40 Kilometer lang von A Coruna über Arteixo bis nach Caion.

Raus aus der Hafenstadt führt eine lange Promenade, dann geht es weiter über kleine Straßen vorbei am Puerto Exterior de A Coruna bis nach Arteixo und dann am nächsten Tag weiter nach Caion. Hier befinden wir uns in einer sehr dünn besiedelten Gegend und laufen teils auf schmalen geteerten Straßen ohne jeglichen Verkehr und teils über sandige Landwirtschafts- und Forstwege. Manchmal geht es an meist unbewohnten, halb verfallenen Häusern vorbei, ab und zu bietet sich eine schöne Fernsicht über den Küstenabschnitt und selbstverständlich taucht auch hier der ein oder andere weite Sandstrand vor uns auf.

Nett anzusehen, aber wirkliche Wow-Effekte bietet uns diese Tour leider nicht. Fairerweise müssen wir allerdings zugeben, dass wir angesichts der bereits zurückliegenden Etappen auch wirklich schon ziemlich verwöhnt sind. Man denke nur einmal an die Flyschroute im Baskenland (siehe hierzu Erlebnisbericht Teil 1), an den Weg entlang der Steilküste Richtung Santander (Erlebnisbericht Teil 2), an den Praia das Catedrais (Erlebnisbericht Teil 3) oder gar an eine unserer Lieblingsstrecken Richtung Espasante (Erlebnisbericht Teil 4)…

Im Moment können wir uns fast nicht vorstellen, dass man das noch übertreffen kann. Aber die Landschaft rund um die spanische Nordküste hält immer wieder attraktive Überraschungen bereit, wie wir bereits am nächsten Tag auf dem Weg von Caion nach Arnados erleben.

Hunde, die bellen, beißen vielleicht doch (nicht)…

Zunächst erwartet uns nach dem Aufbruch aber erst einmal eine Überraschung aus der Kategorie „Gar nicht lustig“. Wir laufen durch den zehn bis zwölf Häuser kleinen Ort Carballedo. Die Straße ist menschenleer, man hört nur unsere Schritte. Dann geht plötzlich eine Haustür auf und raus strömen mit einem ohrenbetäubenden Lärm drei Hunde direkt auf uns zu. Keine Schoßhunde etwa, sondern ausgewachsene Vierbeiner á la Schäferhund und Bulldogge.

Obwohl wir beide keine Angst vor Hunden haben, bleiben wir bei diesem Anblick kurz wie erstarrt stehen. Dass die Besitzerin gerade durch die Hoftür kommt und nach den Hunden ruft, macht die Sache angesichts dessen, dass sich diese davon völlig unbeeindruckt zeigen, nicht gerade besser.

Mit lautem Gebell, aggressivem Knurren und zähnefletschend kommen sie uns ziemlich nahe. In einiger Entfernung hören wir die immer schriller werdende Stimme der Hundebesitzerin. Offen bleibt, ob ihre Angst uns oder eher ihren Haustieren gilt, sieht man Nico doch an, dass er im Notfall zu allem entschlossen ist.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis die Hunde schließlich abdrehen. Ganz unkritisch war diese Situation sicher nicht. Was wäre passiert, wenn die Besitzerin nicht in der Nähe gewesen wäre?

Dieser Schreck am Morgen lässt uns in den nächsten Stunden und Tagen immer einmal wieder darüber nachdenken, wie man sich im Ernstfall gegen Hunde wirklich wehren könnte. Zu einem befriedigenden Ergebnis sind wir jedoch bislang nicht gekommen. Falls jemand hier eine erprobte Strategie hat, sind wir daher dankbar um jeden Tipp, um für derartige Zwischenfälle in Zukunft gewappnet zu sein.

Faszinierende Details an der spanischen Nordküste

Es dauert eine ganze Weile, bis wir uns von dem „tierischen Vorfall“ erholt haben und unsere Aufmerksamkeit wieder vollständig der Umgebung widmen. Wir sind beim Naturschutzgebiet Lagoa de Baldaio, das laut Informationstafel vor allem für Ornithologen interessant sein soll, gelandet.

Von weitem zeigt es sich von einer relativ unspektakulären Seite. Vor uns liegt ein riesiger feuchter Sandteppich, durchzogen von großen und kleinen Rinnsalen, dem ein oder anderen Wasserloch. An der Seite sehen wir eine langgezogene Dünenlandschaft, die den Blick zum Atlantik weitgehend versperrt. Die Weite dieser Landschaft in ein paar Bildern festhalten und weiter geht’s. Dass es hier mehr gibt als Sand und Wasser, fällt uns dann aber schnell auf.

Eine unglaublich vielfältige Flora und Fauna, beheimatet dieses Gebiet, in dem Meer, Lagune und Sumpfgebiet sanft ineinander übergehen und ein detailreiches Ökosystem freigeben: weiß, gelb, rosa, lila… Überall Blüten und Sträucher, mal lieblich, mal robust – mit den Anblicken dieser blühenden Grassteppe könnte man Bände füllen.

Im Grunde weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll, gibt es doch so viele Plätze, die einen Schnappschuss wert sind. Besonders hat uns aber ein ganz bestimmtes Motiv in den Bann gezogen.

Warum Schnecken in die Höhe klettern

Auf dem rund fünf Kilometer langen Weg durch die Lagoa stehen sie am Rande der Dünen immer wieder im Weg: große Grasbüsche, besiedelt von Hunderten von Gehäuseschnecken. Angesichts der Last wundert es, dass die Stängel nicht umknicken, sondern kerzengerade die lebende Zierde tragen.

Das Bild von der spanischen Nordküste zeigt Gehäuseschnecken, die an Gras hinaufklettern.
An der Lagoa de Baldaio an der spanischen Nordküste belagern Hunderte von Gehäuseschnecken Gräser.

Aber was könnte der Grund für dieses seltsam anmutende Verhalten der Schalenweichtiere sein? Klettern sie vielleicht bei Trockenheit im Sommer an Pflanzenstengeln nach oben, um der Bodenhitze zu entkommen? Das klingt zumindest in unseren Ohren durchaus plausibel.

Eine andere Beobachtung hingegen können wir uns bislang nicht erklären: Wie im Bild zusehen, ist der ganze Sand voll mit kleinen Sandhaufen, aus denen teilweise Luftblasen entweichen und in deren Nähe immer wieder weitere kleine Sandanhäufungen, ähnlich der Form eines Regenwurms, zu finden sind.

Das Bild von der spanischen Nordküste zeigt den Blick auf ein Naturschutzgebiet, im Vordergrund Sand, dahinter Wasser und Berge.
Überall kleine Sandhaufen – Was sich dahinter wohl verbirgt?

Wie entstehen diese Sandhaufen? Falls uns jemand bei der Lösung dieses „Rätsels vom Lagoa de Baldaio“ helfen kann, freuen wir uns über ein entsprechendes Kommentar direkt hier unter dem Beitrag.

Im Moment müssen wir uns jedoch damit zufrieden geben, hierfür noch keine Antwort parat zu haben und ziehen weiter nach Arnados, dem Ort, an dem wir übernachten möchten. Das ist jedoch leichter gesagt als getan…

Tages-Endstation mit Hindernissen

Hatten wir bisher auch bei der kurzfristigen Unterkunftssuche immer Glück, lernen wir nun die andere Seite kennen.

Nachdem unsere Booking-App leider keine verfügbaren Zimmer in der Umgebung anzeigt, fragen wir uns vor Ort durch: Am Kiosk, an der Lounge-Bar am Strand, in einer Kneipe… überall ernten wir ein Kopfschütteln. In ganz Arnados gibt es keine Unterkünfte. Nicht, dass alles ausgebucht wäre. Nein – und das ist wichtig für alle, die hier in der Gegend eine Wander- oder Backpacking-Tour planen – es existieren hier schlicht keine Hotels oder Pensionen. Doch das sei kein Problem sagt man uns, in Carballo dürften wir fündig werden. OK. Und Carballo liegt wo? Lediglich sechs Kilometer weiter…

Lediglich! Vermutlich fällt es manchen schwer sich vorzustellen, was sechs Kilometer bedeuten, wenn man mit dem Rucksack auf dem Rücken bereits über neun Stunden zu Fuß unterwegs war. Nein, weiter gehen wir heute auf keinen Fall und entschließen in der Lounge-Bar erst einmal etwas zu trinken und zu beratschlagen, was wir machen. Sollen wir vielleicht unter freiem Himmel nächtigen? Schlafsack und Isomatte haben wir dabei, es ist trocken und allzu kalt ist es nun Mitte Juni ja auch nicht mehr… Wir kommen ins Gespräch mit anderen Gästen. Es sind Surfer und von ihnen erfahren wir, dass Arnados vor allem als Surferparadies bekannt ist. Daher gäbe es hier auch einige Surfcamps, in denen Kinder und Jugendliche das Wellenreiten auf dem Wasser lernen.

Das Bild von der Costa da Morte zeigt ein weißes Surfbrett mit Totenkopf und der Aufschrift Costa da Morte Surfclub.
Surfclubs wie hier bei Arteixo findet man an Costa da Morte viele.

Surfcamp! Das war das erlösende Stichwort. Ob es wohl möglich ist, hier unterzukommen? Man ermutigt uns einfach nachzufragen. Einen Versuch ist es wert und so kommt es, dass wir bald darauf in einem großen Aufenthaltsraum eines Surfcamps stehen und uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit erkundigen. Einer der Campbetreuer bittet uns zu warten, verschwindet im Nebenzimmer und kommt kurze Zeit später wieder zurück. Ja, kein Problem. Das Camp ist noch nicht voll belegt und so können wir zu zweit ein Vierbettzimmer beziehen. Nochmal Glück gehabt…

Kindheitserinnerungen an der spanischen Nordküste

Am Abend entspannen wir uns bei den letzten Sonnenstrahlen des Tages auf der Terrasse und beobachten das Treiben um uns herum. Unten am Strand eine Gruppe Surfschüler, die gerade ihre Boards schnappen, um dann bauchwärts auf dem Meer zu paddeln. Neben uns treten ein paar Mädchen auf die Terrasse und machen es sich auf den Plastikstühlen bequem. Dass sie noch klitschnass sind, scheint sie nicht weiter zu stören. Singend kommen aus dem Aufenthaltsraum ein paar Jugendliche heraus, um sich an einem großen runden Tisch zu versammeln. Hier heißt es gleich „Essen ist fertig“ und los geht es auch schon mit Teller und Besteckgeklapper.

Auch wir entschließen uns dazu, noch eine Kleinigkeit zu essen und lassen dann inmitten dieser fröhlichen Runde bei Gesprächen über das Surfen den Tag ausklingen. Schön, dass uns der Zufall hierher geführt hat …

Noch 15 Kilometer bis Malpica

Hochmotiviert, glücklich und unglaublich dankbar, dass wir diese Zeit an der spanischen Nordküste verbringen können, starten wir in den nächsten Morgen. Heute werden wir endlich Malpica erreichen und die ersten Kilometer an der Costa da Morte zurücklegen. Gut 30 Kilometer beträgt die Etappe von Arnados über Malpica bis zum Tagesziel As Garzas und – so viel sei schon verraten – es erwartet uns eine wirklich tolle Wegstrecke, wie dieser kleine Vorgeschmack in Bildern zeigt:

Als wir auf die Straße treten, ist es noch leicht dämmerig, aber hinter dem Dunkel der Wolken strahlt bereits die Sonne und der nasse Strand und das Meer glitzern im Licht. Noch ein letzter Blick und los geht es. Vorbei an Mohnblumenfeldern sehen wir nochmals auf den großen Playa de Razo unter uns zurück, der in Kürze voll mit Surfschülern sein wird, die freudig auf ihren heutigen Unterricht warten.

Wir gehen noch ein paar Schritte eine Straße entlang, dann zeigt uns unser GPS-Gerät – jetzt kommt es tatsächlich zum Einsatz – an, dass wir den festen Untergrund verlassen und links in die „Pampa“ abbiegen müssen. Ziemlich zugewachsen, wäre uns der Weg gar nicht aufgefallen, aber wir vertrauen der Navigation und beginnen damit, uns durch Gestrüpp zu kämpfen. Stechginster säumt den Weg und es sticht an Beinen und Armen – mal mehr oder weniger schmerzhaft. Irgendwann wird der Weg langsam breiter bis der schmale Pfad schließlich in einen sandigen Waldweg mündet und wir den Atlantik wieder vor Augen haben. Wir genießen die Fernsicht, bis sich erneut etwas unwegsames und stärker bewachsenes Gelände ankündigt.

Regenhose als „Stechschutz“

Angesichts der vielen kleinen Stiche und Kratzer, die die Stacheln des Ginsters vor ein paar Kilometern hinterlassen haben, entschließt sich Andrea kurzer Hand, ihre Regenhosen als Stechschutz anzuziehen.

Das Bild von der spanischen Nordküste zeigt Andrea wie sie die Regenhose anzieht.
Die Regenhose schützt nicht nur vor Nässe…

Bei dem warmen Wetter und strahlendem Sonnenschein nicht gerade eine erfrischende, aber wie sich herausstellt zumindest effektive Lösung, die für uns Anlass ist, die Regenhose auf die Liste der „Must-haves“ beim „Abenteuer spanische Nordküste“ zu nehmen.


♦ ♦ ♦ Tipps zur Ausrüstung an der spanischen Nordküste ♦ ♦ ♦

Das Thema Ausrüstung ist immer wieder Mittelpunkt der Diskussionen in Wander- und Backpacker-Foren. Dabei sind es insbesondere drei Fragen, die nahezu alle, die sich zu Fuß auf den Weg machen wollen, beschäftigen: Was soll man zum Schutz gegen den Regen einpacken? Sind Stöcke wirklich notwendig? Und welche Schuhe sollte man wählen? Hier ein paar Hinweise zu unseren persönlichen Erfahrungen.

  • Regenkleidung
    Poncho oder Jacke mit Hose? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Aufgrund unserer Erfahrungen punkten zumindest entlang der spanischen Nordküste eindeutig Jacke und Hose. Vor allem bei windigen Wetterverhältnissen, auf stark bewachsenen Wegen und in eher felsigen oder steilen Gebieten ist der immer wieder empfohlene Poncho nicht nur störend, sondern kann auch zur gefährlichen Stolperfalle werden. Der Vorteil, dass der Rucksack beim Poncho mitgeschützt wird, verblasst angesichts dieser Nachteile schnell.
    Tipp: Regenhosen mit seitlichen Reisverschlüssen sind enorm praktisch und unkompliziert beim An- und Ausziehen.
  • Stöcke
    Auch ein beliebter Diskussionspunkt ist die Frage nach Stöcken: Ja oder Nein? Unserer Überzeugung nach eindeutig Ja! Zum einen können Stöcke den Bewegungsapparat enorm entlasten, was je nach Dauer und Länge des Unterwegs-seins wichtig werden kann. Vor allem aber bieten sie in unwegsamen, schwierigerem Gelände mehr Halt und helfen, das Gleichgewicht besser zu halten – was gerade durch den veränderten Drehmoment durch den Rucksack auf dem Rücken zur Herausforderung werden kann. Dennoch: Bei absehbar einfachen, geraden Wegabschnitten die Stöcke einfach auch immer wieder einmal im Rucksack verstauen, damit der Körper seinen Gleichgewichtssinn und die Koordination zwischendrin auch ohne das „Hilfsmittel“ Stock trainiert.
    Tipp: Beim Kauf darauf achten, dass die Stöcke einen dicken, stabilen Griff haben und gut in der Hand liegen, auf verschiedene Längen einstellbar und teleskopisch oder faltbar sind, um sie gut im Rucksack verstauen zu können. Außerdem ratsam: An den Stockenden sollte ein kleiner Teller angebracht sein, der als Stopper dient und je nach Untergrund verhindert, dass der Stock zu weit in den Boden einsinkt.
Das Bild von der spanischen Nordküste zeigt zwei Beine auf einem Felsen stehend mit Turnschuhen und Stöcken.
Gerade in unwegsamen Gelände sind Stöcke ein wichtiges Hilfsmittel.
  • Schuhe
    Turnschuhe oder Wanderschuhe? Bei den unterschiedlichen Untergrund-Bedingungen, wie man sie an der spanischen Nordküste findet, gibt es unseres Erachtens kein „Entweder-oder“. Nach einigem Ausprobieren nutzen wir heute beides. Dort, wo Halt und Trittsicherheit gefragt sind – also querfeldein, auf eher steinigen und unwegsamen Pfaden, beim Laufen über Geröll, bei starken Steigungen etc. – kommen die Wanderschuhe zum Einsatz. Auf längeren Strecken über geteerte oder einfache Forstwirtschaftswege jedoch haben sich gut gedämpfte! Turnschuhe für uns als die bessere Wahl erwiesen, da das Profil von Wanderschuhen auf solchen Strecken zu starr und unnachgiebig ist und so zu Schmerzen in Füßen und an den Knien führen kann Aber Vorsicht: Wenn es stark regnet, kommt es mit Turnschuhen auf glattem Untergrund schnell zur Rutschpartie. Dann lieber wieder auf Wanderschuhe wechseln.
    Hinweis: Mittlerweile gibt es auch ein großes Angebot an Trekking-Schuhen, die eine gute Alternative zu Turnschuhen darstellen. Aber wichtig: Sie können je nach geplanter Tour nicht den robusten Wanderschuh ersetzen!

Mit Regenhose gegen Stechginster & Co gewappnet geht es weiter über mal mehr, mal weniger stark bewachsene Pfade und bald über einen traumhaften Weg mit ebenso traumhaften Ausblick. Unter uns taucht ein endlos langer, menschenleerer Strand auf. Ein wunderbares Pausenplätzchen. Im Moment herrscht hier Ebbe. Wir nutzen die Gelegenheit, uns bei den Felsen einmal näher anzusehen, was normalerweise unter dem Wasserspiegel verborgen bleibt.

Früchte des Meeres

Alles Mögliche an Meereslebewesen hat sich hier auf dem steinigen Untergrund festgesetzt und wartet vermutlich sehnsüchtig auf die nächste Flut. Die ganzen Felsen sind voller verschiedenster Muscheln und – wir vermuten – Seeanemonen in tiefrot, grün und gelb.

Das Bild von der spanischen Nordküste zeigt eine rote Seeanemone.
Faszinierend, wie vielfältig das Leben unter dem Wasser ist.
Das Bild von der spanischen Nordküste zeigt Entenmuscheln, die auf einem Felsen festsitzen.
Toller Anblick: Entenmuscheln in ihrem natürlichen Lebensraum.

Dann aber sehen wir etwas, mit dem wir so gar nicht gerechnet hatten. Auf einem der Felsen entdecken wir bündelweise Percebes – eine Entenmuschel-Art, die als absolute Delikatesse gilt. Die gelbbräunlichen, schwarz gestreiften Meeresfrüchte haben wir zum ersten Mal in unserem Leben in Cudillero (Erlebnisbericht Teil 3) in einer Auslage einer Pescaderia gesehen. Damals fragten wir uns schon, wie sie wohl in ihrem natürlichen Umfeld aussehen. Und nun haben wir sie direkt vor unserer Nase. Toll!

Es brennt…

Zwischenzeitlich ist es früher Nachmittag. Wir beenden unsere Entdeckungstour am Strand, verlassen den Pfad direkt an der Küste entlang und folgen nun einem etwas mehr im Landesinneren liegenden Streckenabschnitt Richtung Malpica. Lange bevor wir etwas sehen, liegt in der Luft ein beißender Geruch, der ein brennendes Waldstück ankündigt. Normalerweise hätte uns dies nicht sonderlich nervös gemacht. Angesichts der Tatsache, dass bereits seit Tagen die Nachrichten voller Meldungen mit schweren Waldbränden in Portugal und Spanien sind, sind wir allerdings verunsichert. Ist der Brand beabsichtigt oder unfreiwillig?

Also entschließen wir uns beim nächsten Haus, an dem wir vorbei kommen, nachzufragen. Nein wir müssen uns keine Gedanken machen, beteuert der Bewohner. Gerade wegen der Brandgefahr brennen sie in dieser Gegend gezielt an neuralgischen Punkten gefährdete Landstücke ab, um im Fall eines Falles die Ausbreitung eines Feuers zu verhindern. OK, dann können wir beruhigt weiterziehen…

Expedition Costa da Morte beginnt

Einige Zeit später kommen wir in Malpica an. Obwohl wir vermutlich noch rund zwei Stunden Laufzeit bis zu unserer Unterkunft vor uns haben, verweilen wir hier ein wenig.

Das Bild zeigt Häuser des Fischerdorfs Malpica an der spanischen Nordküste.
In Malpica beginnt offiziell die Costa da Morte.

Da Malpica zu einem der wenigen Touristenorte in dieser Gegend gehört, haben wir nach einem kurzen Rundgang durch das circa 5.500 Seelen großen Fischerdorf sogar Glück und finden trotz der Uhrzeit noch ein schönes Restaurant am Hafen. Zur Feier des Tages bestellen wir zur leckeren Paella noch ein Gläschen Wein dazu. Ein Prost auf Malpica, auf unser „Abenteuer spanische Nordküste“ und ganz besonders auf den Moment, auf den wir so lange hin gefiebert haben: das Unterwegs-sein an der Costa da Morte.

Frisch gestärkt kann unsere „Expedition“ in die bislang touristisch eher unerschlossene und unter Wanderern wenig bekannte Region jetzt beginnen. Die ersten zehn von insgesamt circa 200 Kilometern entlang der spanischen Todesküste bringen wir heute noch hinter uns. Von Malpica aus laufen wir über das Cabo de Santo Adrian nach As Garzas. Ein wunderbarer Tag geht hier zu Ende und mit einem traumhaften Sonnenuntergang kündigt sich die Nacht an…

Das Bild von der spanischen Nordküste zeigt einen Sonnenuntergang auf dem Atlantik mit tiefrot und gelbenen Strahlen.
Und wieder geht ein wunderbarer Tag hier an der spanischen Nordküste zu Ende.

Alles, außer gewöhnlich..

Am nächsten Morgen beginnt Tag 48 unseres „Abenteuer spanische Nordküste“ und gleichzeitig der erste Tag, an dem die gesamte Tour entlang der Costa da Morte führt. Rund 24 Kilometer mit jeweils circa 600 Metern Gefälle und Anstieg gilt es bis nach Corme zurückzulegen. Nichts außergewöhnliches, aber – wie sich herausstellen wird – alles, außer gewöhnlich!

Ein ganz normaler Wald- und Wiesenweg führt uns aber erst einmal am Wasser entlang bis zum Playa de Barizo, in dessen Nähe laut unseren GPS-Daten die heutige Route beginnen soll. Und tatsächlich: Nach kurzer Suche finden wir den Einstieg hinter dem kleinen Hafen.

Der schmale Pfad führt die ersten rund 100 Meter – gefühlt fast senkrecht – über und zwischen großen Felsen und Stechginster vorbei. Ein ausgetretener Weg ist nicht erkennbar, aber uns fällt ein grüner Pfeil auf einem Stein auf, eine Wegmarkierung, der wir immer wieder einmal begegnen werden. Aber dazu mehr in Teil 6 unseres Erlebnisberichtes.

Jetzt hören wir erst einmal auf unser GPS und das bringt uns auf eine – ohne das Wort überstrapazieren zu wollen – phantastische! Route. Hier zwischen As Garzas und Corme zeigt die sowieso schon vielfältige spanische Nordküste nochmals ein ganz anderes Gesicht. Alles scheint wesentlich größer, gewaltiger als auf der bisherigen Tour zu sein und bisweilen wirkt die Küste hier wie ein Abzug aus dem Hochgebirge. Eine prachtvolle Landschaft, die uns mit Haut und Haaren gefangen nimmt und die man am besten mit Bildern beschreibt:

Total begeistert laufen wir Kilometer für Kilometer auf schmalen, teils zugewachsenen Wegen und erblicken irgendwann am Horizont einen Leuchtturm. Das muss unserer Planung nach der „Faro de Punta Nariga“ sein. Ja, wir sind richtig. Dort müssen wir hin.

Als wir auf den großen Turm zugehen, fällt uns eine Figur am Rande der Brüstung auf. Aus der Nähe betrachtet sieht sie aus wie kurz vor dem Absprung ins Meer – ein bisschen wie eine Mischung aus Mensch und Vogel, der seine Flügel ausbreitet. Das für uns wirklich Besondere aber: Dieser Figur gelingt es tatsächlich, die kraftgeladene Atmosphäre dieses Küstenabschnitt zu versinnbildlichen und uns als Betrachter komplett einzunehmen.

Das Bild zeigt eine riesige menschenähnliche Skulpturmit weit ausgebreiteten flügelähnlichen Armen am Faro de Punta Nariga an der Costa da Morte.
Kraftvoll: Die Skulptur “Atlante” kann man am Fuße des Faro de Punta Nariga an der Costa da Morte betrachten.

Irgendwann lösen wir uns dann aber doch von ihrem Anblick und der Traumkulisse rund um den Leuchtturm und gehen weiter, überwiegend direkt an der Küste entlang nach Corme, dem Ort, an dem dieser fünfte Erlebnisbericht zu unserem „Abenteuer spanische Nordküste“ endet.

Lessons Learned

Wieder einmal liegen – von dem „tierischen Zwischenfall“ abgesehen – tolle Tage hinter uns. Insbesondere auf der Strecke zwischen Arnados und Corme hat die spanische Nordküste wieder mit vielen, auch neuen Facetten aufgewartet. Unsere Begeisterung steigt, soweit das überhaupt noch möglich ist, täglich weiter.

Vor allem aber ist uns auf diesem Streckenabschnitt etwas Seltsames aufgefallen: Hier an der spanischen Nordküste vergeht die Zeit viel langsamer. Es scheint, als würden die Tage nicht nur 24 Stunden haben.

Was wir damit meinen? Nun, vermutlich hat jeder schon einmal das Gefühl gehabt, dass die Zeit nur so zwischen den Fingern verrinnt. Hier an der spanischen Nordküste schlägt jedoch für uns spürbar ein anderer Takt. Obwohl die Tage kurzweiliger sind als sonst, fühlen sie sich doch wesentlich länger an. Woran kann das liegen?

Ein kleiner philosophischer Ausflug:

Zu Hause läuft vieles mit Autopilot. Da ist die Fahrt zur Arbeit, der Gang zum Bäcker, das Kaffeekochen am frühen Morgen, die vielen Handgriffe bei der Arbeit… Minuten und Stunden im Laufe eines Tages, die wir nicht mehr bewusst wahrnehmen. Sie reduzieren die Zeit des „Bewusstseins“ – der Momente, die in unserer Erinnerung haften bleiben. Je mehr Routine eintritt, je weniger Aufmerksamkeit benötigt wird und je weniger Neues geschieht, umso kürzer erscheint der Tag oder anders gesagt: er geht gefühlt schneller vorbei.

Vorausgesetzt dieser Erklärungsansatz wäre plausibel, müsste man dann im Umkehrschluss nicht einfach „nur“ dafür sorgen, wo auch immer möglich aus der Routine auszubrechen? Im Großen wie im Kleinen? Und so der Zeit ein Schnippchen schlagen? Vielleicht wäre das ja das „Rezept für ein längeres Leben“?

Neuartige Erlebnisse und Erfahrungen dehnen die Zeit.

Dass neuartige Erlebnisse und Erfahrungen die Zeit dehnen, ist ja schließlich bekannt und wird immer wieder von Zeitforschern und Psychologen bestätigt. Liegt es dann nicht an uns, Einfluss auf unsere „Lebenszeit“ zu nehmen. Ein Gedanke, der uns sicher weiter beschäftigen wird…

Unser „Abenteuer spanische Nordküste“ hat uns nach dieser „Zeitrechnung“ auf jeden Fall schon einige Wochen „Lebenszeit“ geschenkt. Und es kommen noch weitere dazu. Zum Beispiel auf dem Weg nach Muxia. Hier an der Costa da Morte wird unsere Aufmerksamkeit und all unsere Sinne – von der Orientierung bis zur Überwindung von Grenzen – stärker als bislang gefordert. Körperlich, mental und technisch müssen wir hier noch einiges lernen. Aber dazu mehr im 6. Teil unserer Serie vom „Abenteuer spanische Nordküste“.

>> Und so geht es weiter: Das Abenteuer spanische Nordküste . Teil 6

>> Was bisher geschah: Das Abenteuer spanische Nordküste . Teil 4


Nicht verpassen!
Neben unserem insgesamt 7-teiligen Erlebnisbericht zum „Abenteuer spanische Nordküste“ stellen wir auf www.hello-world.net demnächst allen Interessierten auch weitere nützliche Informationen rund um diese Wanderroute zur Verfügung: von GPS-Daten, Höhenprofilen und Google Maps bis zu Albergenübersichten. Einfach in Kontakt bleiben über unser Facebook– oder Instagram-Profil.

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4 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei wunderschöne Bilder ein super Bericht es macht neidisch wenn man liest wie schön die Landschaft dort ist. Es waren bisher 5 super Bericht und ich weiß was es für Zeit und Arbeit kostet und da her danke ich euch beiden.

    1. Hallo Werner!

      Lieben Dank wie immer für Deine Rückmeldung. Wenn wir damit bei dem ein oder anderen etwas die Sehnsucht nach dieser herrlichen Strecke wecken haben wir das Ziel schon erreicht 🙂

      Viele Grüße aus Karlsruhe
      Nico (&Andrea)

  2. Liebe Andrea, lieber Nico, danke wieder für den einfühlsamen Bericht und die wunderbaren Bilder!! Ich gehe jeden beschriebenen Schritt in Gedanken mit Euch mit!
    Vor 2 Jahren hatte ich ein ähnliches Hundeerlebnis: freilaufender Schäfer, mit gefletschten Zähnen und Mordlust in den Augen vor mir auf offener Straße, bereit zum Absprung. In Gedanke hab ich schon den Inhalt meines Rucksacks nach der passenden Notrufnummer durchsucht… Dann hab ich ausgeholt und ihm mit meinem Wanderstock eins auf die Schnauze gegeben – und er hat sich tatsächlich getrollt. Ich hab noch eine Stunde später am ganzen Körper gezittert… Jedenfalls ein Argument mehr FÜR Wanderstöcke.
    Ich freu mich auf den nächsten Bericht!!

    1. Hallo Martha!

      Also ich (Nico) bin hundetechnisch wirklich kein Schisser aber diese Begegnung war wirklich mehr wie grenzwertig. Waren superfroh aus der Situation wieder an einem Stück herausgekommen zu sein. 🙂

      liebe Grüße(auch von Andrea)
      Nico

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