Das Abenteuer spanische Nordküste . Teil 2

Das Bild zeigt einen Mann mit Rucksack an den Steilklippen der spanischen Nordküste stehen und Richtung Santander blickend bei blauem Himmel.

1.200 Kilometer zu Fuß in 60 Tagen: Das ist unser „Abenteuer spanische Nordküste“, zu dem wir Interessierte, Wanderer, Pilger und Backpacker in dieser 7-teiligen Serie auf HelloWorld einladen.

Nachdem wir im ersten Beitrag Eindrücke, Erfahrungen und Learnings von unserem Start in Irun und dem rund 160 Kilometer langen Weg durch das Baskenland bis nach Bilbao wiedergegeben haben, nehmen wir heute alle mit auf die 10-tägige Tour nach Ribadesella.

Neben den Schilderungen unserer Erlebnisse dokumentieren wir mit über 60 Fotos und Videos unser Unterwegs-sein auf diesem Abschnitt des spanischen Küstenwegs. Auf diese Weise möchten wir ein möglichst konkretes Bild von der rund 270 Kilometer langen Strecke vermitteln, auf der wir die offizielle Streckenführung zugunsten einer attraktiveren Wanderumgebung über Wiesen und sandige Pfade immer wieder verlassen.

Das Bild zeigt eine Landkarte, auf der der zweite Streckenabschnitt entlang der spanischen Nordküste von Bilbao nach Ribadesella dargestellt ist.
Über 270 Kilometer von Bilbao nach Ribadesella: Das ist die Distanz des zweiten Streckenabschnitt unseres “Abenteuer spanische Nordküste”.

Immer lässt sich der Gang über harten Asphalt an Straßen entlang aber selbstverständlich nicht vermeiden…

Zum Weltkulturerbe geht’s über Asphalt

Das trifft zum Beispiel auf dem Weg raus aus Bilbao zu. Hier folgen wir gemäß der Empfehlungen einschlägiger Wanderführer der Beschilderung bis zur ältesten Schwebefähre der Welt – der Biskaya-Brücke. Mit dem überall als Ausflugtipp erwähnten, 1893 eingeweihten Bauwerk und anerkanntem UNESCO-Weltkulturerbe wechseln wir über den Fluss auf die andere Seite des Ufers.

Das Bild zeigt die Biskaya-Brücke, die älteste Schwebefähre der Welt, die man beim Wandern auf dem Jakobsweg für die Überfahrt über den Fluss benutzt.
Mit der ältesten Schwebefähre der Welt geht es über die Ria de Bilbao nach Portugalete.

Ob sich dieser Abstecher aber lohnt? Unsere Antwort darauf machen wir kurz: Kann man machen – muss man aber nicht. Unseres Erachtens nach rentiert sich der mit rund acht Kilometern relativ lange Fußmarsch über die Straßen eines ziemlich unansehnlichen Industrie- und Randgebiets für dieses Ereignis nämlich nicht wirklich.

Portugalete hingegen, die Kleinstadt, die man nach Verlassen der Fähre betritt, ist mit ihren beschaulichen Gassen für uns schon eher einen Blick und einen kurzen Aufenthalt wert.

Kleine Völkerwanderung an der spanischen Nordküste

Bei einer Tasse Kaffee beobachten wir eine Weile das geschäftige Treiben. Etwas hat sich spürbar verändert: Während wir in den ersten Tagen unserer Tour nur sehr vereinzelt auf Weggefährten gestoßen sind, gibt es nun Rucksackreisende an jeder Ecke und alle scheinen demselben Weg zu folgen: dem Camino del Norte.

Angesichts der Massen, die sich hier in eine Richtung bewegen, brauchen wir keine Schilder oder Markierungen, um zu unserem Tagesziel zu gelangen. Einfach immer den Leuten nach, in der Hoffnung, dass sich diese „Völkerwanderung“ nicht wie ein roter Faden durch die nächste Zeit ziehen wird. Insbesondere in Sachen Unterkunft wäre diese Vorstellung nämlich nicht gerade traumhaft, müssen wir doch erstmalig erleben, was es heißt in einer komplett überfüllten Herberge zu übernachten.

Das Bild vom Playa de la Arena an der spanischen Nordküste zeigt den Blick auf den Strand, im Vordergrund der Atlantik, dahinter eine bergige Landschaft.
Über den Playa de la Arena führt der Weg in die Herberge von Pobena.

Als wir am späten Nachmittag in der Herberge von Pobena eintreten, sind bereits die Abstellregale im winzigen Vorraum derart voll, dass sich die Schuhe übereinander stapeln. Im 22 Betten umfassenden Schlafsaal ist die Luft zum Schneiden dick. Der Weg zu unserem Etagenbett führt über unzählige Füße, auf dem Boden stehende Rucksäcke, Wanderstöcke und Einkaufstüten gefüllt mit Verpflegung. Vorsichtig bewegen wir uns bis zum Ende des Raumes. Es ist eng, es ist heiß und das Ein- und Auspacken des Rucksacks auf gefühlten fünf Quadratzentimetern ziemlich nervig. Nichts wäre jetzt schöner als eine erfrischende Dusche, doch die Warteschlange vor den sanitären Anlagen signalisiert: Das kann noch lange dauern…

Aber beschweren wir uns nicht. Bisher haben wir ja wirklich Glück bei den Unterkünften gehabt. Außerdem entschädigen die netten Begegnungen mit anderen Backpackern auch ein wenig für den Platzmangel und für die sehr unruhige Nacht, in der immer irgendjemand zwischen den Bettgestellen in Bewegung war.

Spanischer Küstenweg: Jeder Schritt ein Genuss

Entsprechend geht es am nächsten Tag ein wenig müde weiter, über Treppenstufen hinauf auf eine Anhöhe. Dort stoßen wir auf einen ausgebauten Pfad, der an den Klippen entlang hoch über dem Meer führt. Es ist drei Tage her, seit dem wir das letzte Mal einen solchen Ausblick genießen konnten und so gehen wir zu einer kleinen gemauerten Hütte, die am äußersten Rand an der Küste steht, um unsere Nase in den frischen Wind zu stecken.

Das Bild vom spanischen Küstenweg in der Nähe von Pobena zeigt die Punta del Castillo Viejo,, eine alte steinerne Ruine an der Steilklippe, vor der eine Frau ins Meer blickt.
Hier oben über dem Atlantik an der Punta del Castillo Viejo, genießen wir jeden Atemzug.

Einatmen, Durchatmen, die kühle Luft genießen, den Blick ganz weit raus auf den Atlantik bis zum Horizont gerichtet. Wir sind ungestört. Kein Mensch zu sehen. Ein schöner Moment, in dem so etwas wie Leichtigkeit und das Gefühl von Freiheit aufkommen. Ist es die Enge der Nacht, die diese Weite vor unseren Augen derart befreiend erscheinen lässt? Ist es das eindeutige „JA“, auf die ungläubige Frage „Sind wir wirklich hier, tatsächlich mitten in unserem „Abenteuer spanische Nordküste?“…

Auf den folgenden rund 100 Kilometern zeigt sich der spanische Küstenweg von (einer) seiner besten Seite. Mit dem Meer zur rechten Hand, einem phantastischen Panorama vor Augen und überwiegend tollen Wegen und Pfaden unter den Füßen wird hier jeder Schritt zum Hochgenuss.

Tag 13 oder Zeit für eine kleine (Sinn-)krise

Nach Übernachtungsstops in Castro Urdiales, Laredo und Gümes kommen wir dem nächsten, größeren Ziel näher: Santander, ein äußerst eleganter Badeort und vermutlich auch einer der bekanntesten in Nordspanien.

Es ist Tag 13 unseres Unterwegs-seins. Ein toller Tag. Blauer Himmel über uns und die Sonne sorgt erstmals für richtig warme Temperaturen. Wir befinden uns wieder einmal auf einer wunderbaren Route entlang der Steilküste, deren Aussichten für unseren Geschmack all das bisher Gesehene übertreffen.

Die Gegend hier sollte sich wirklich niemand, der an der spanischen Nordküste wandert, entgehen lassen! Ohne Übertreibung kann man sagen: Hier unterwegs zu sein, fern ab jeglichen Trubels, ohne den Alltag zu Hause, die geschäftlichen Termine und privaten Verpflichtungen im Genick, ist der pure Luxus. Mit nichts auf der Welt wollen wir tauschen und sind sicher: von diesem Backpacking-Projekt werden wir noch sehr lange zehren.

Also alles bestens? Nun, nicht ganz. Santander bereits vor Augen, gerät im Grunde völlig unerwartet die Stimmung ein wenig ins Schwanken. Weshalb, weiß keiner so genau. Vielleicht aber war es dieser Anblick:

Das Bild einer Dünenlandschaft an der spanischen Nordküste zeigt eine Frau mit Rucksack und Stöcken bepackt, wie sie über die Sandhügel geht.
Noch ahnt keiner, wie schnell ein paar Dünen und Sand unser “Abenteuer spanische Nordküste” ins Wanken bringen können.

Als wir über die Dünen zum riesigen Playa de Loredo gelangen, bleibt Andrea plötzlich auf dem Hügel stehen und deutet nach unten: Zahlreiche Badegäste haben sich hier versammelt, gemütlich im Sand liegend, die Sonne genießen. „Was machen wir hier eigentlich?“, „Wieso legen wir uns nicht einfach dazu, einfach nichts tun, eine Weile in ein schönes Hotel ziehen, mit eigenem Bad und sauberer Wäsche im Schrank, ohne das tägliche Packen und dem stundenlangen Weiterlaufen zur nächsten Station?“

Das Erlebte der vergangenen Tage, über 280 phantastische Kilometer die hinter uns liegen und der eben noch empfundene „Hochgenuss“ – all das verblasst in diesem Moment. Das Wohlfühlgefühl weicht dem Hinterfragen unseres Projektes „Abenteuer Spanische Nordküste“. Ein Stimmungswandel, den vielleicht Frauen eher als Männer nachvollziehen können. Doch jetzt hilft alles nichts. Die kleine Sinnkrise hat sich ihren Weg gebannt und wir müssen da durch. Wir laufen also weiter. Andrea ist es heiß, was angesichts der Wanderkleidung und dem Rucksack auf dem Rücken nicht verwundert. Sie ist unleidig, hat Durst, spürt ihre Rippen von dem Sturz vor einigen Tagen Richtung Zarautz wieder. Wir merken schnell: Reden und diskutieren über das „Wieso und Weshalb“ bringt in dieser Situation wenig. Still gehen wir also nebeneinander her, jeder seinen Gedanken nachhängend.

Einige Stunden später auf der Fähre nach Santander, entspannt sich die Lage wieder und erstaunlicherweise verfliegt die Krise so schnell, wie sie gekommen ist. „Eigentlich ist es doch wunderschön. Jeden Tag neue Erlebnisse, eine andere Umgebung und das Unterwegs-sein ohne Blick auf die Uhr, ohne echte Verpflichtungen – die maximale Freiheit eben.“ Ja, auch Andrea ist sich sicher, dass sie unser Projekt „Abenteuer spanische Nordküste“ gegen nichts und schon gar nicht gegen einen Strandurlaub tauschen möchte.

Wir machen Pläne für den Nachmittag und freuen uns auf den Abend. Ein wenig über die Promenade schlendern, vielleicht ein kleines Eis, dann gemütlich in einem schönen Restaurant bei Fisch und Wein den Abend ausklingen lassen: Als wir in Santander aussteigen, war alles im positivsten Sinne wieder beim Alten. Aber man soll ja bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben!

Auf der Suche nach einem freien Bett

Angekommen in der gebuchten Unterkunft stellt sich schnell heraus, dass diese private Herberge in keiner Weise unseren Erwartungen entspricht. In einer dunklen Gasse auf einem Stockwerk eines Hochhauses gelegen, die Zimmer so schmuddelig wie die Gastgeber, ähnelte sie eher einem Stundenhotel. Unvorstellbar, hier zu übernachten. Anstatt uns frisch zu machen und eine Besichtigungstour durch Santander zu genießen, heißt es telefonisch Kontakt mit dem Buchungsanbieter aufnehmen.

Nach Schilderung der Lage zeigt sich dieser bereit, eine andere Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren. Rund zwei Stunden später begeben wir uns zu einer neuen Adresse und fragen nach unserem Zimmer. Fehlanzeige! Es gibt keine freien Zimmer mehr. So folgt wieder der Griff zum Handy. Ein Buchungsfehler. Ja, man kümmert sich sofort darum. Wieder warten.

Das Bild zeigt ein Hotelzimmer an der spanischen Nordküste mit zwei Rucksäcken und Schuhen.
Nach fünf Stunden Zimmersuche heißt es endlich: Rucksäcke ablegen, Schuhe aus und unter die Dusche…

Fast 90 Minuten, dann der Anruf und eine weitere Adresse am anderen Ende von Santander. Wir nehmen ein Taxi. Im Hotel angekommen, folgt die Ernüchterung: Man ist ausgebucht oder besser gesagt „Dank“ der Buchungsplattform sogar überbucht. Was das für uns bedeutet? Ganz einfach: Hier können wir nicht übernachten. Die Hotelmitarbeiter sehen uns mitleidig an. Ja, in Santander ist gerade Hochsaison. Man wünscht uns aber viel Glück bei der weiteren Suche…

Es folgen das nächste Telefonat und bald darauf der erlösende Rückruf, dass eine gesicherte Unterkunft gefunden wurde. Gut fünf Stunden sind nun vergangen. Den geplanten Stadtbummel haben wir schon längst verworfen, die Enttäuschung hält sich glücklicherweise aber (trotz Sinnkrise am Mittag) in Grenzen. Denn auch das, so sind wir uns sicher, gehört schließlich zum Unterwegs-Sein dazu.

Walk, Eat, Sleep, Repeat. – der Rhythmus des Unterwegs-Seins

Den nächsten Morgen starten wir bei einer Tasse Kaffee in einer kleinen Bar und kommen mit anderen ortskundigen Pilgern ins Gespräch. Sie empfehlen uns aus Santander raus den Bus zu nehmen, da die Strecke weder sehenswert noch gut zu laufen sei. Wir zögern, folgen dann schließlich doch ihrem Rat und brechen zur Bushaltestelle auf. Hier sieht man Pilger und Rucksacktouristen wohin man auch schaut. Es scheint ein offenes Geheimnis zu sein, diese Strecke stadtauswärts zu meiden und so kaufen auch wir unsere Fahrkarten, um die ersten Kilometer mit dem Bus zurückzulegen und dann zu Fuß zu unserem Tagesziel Comillas weiter zu ziehen.

Meist über (wenig befahrene) Straßen laufen wir Auf und Ab auf eher unspektakulären Wegen. Lediglich die kleine Ortschaft Santillana del Mar bietet mit ihrem mittelalterlichen Charme eine kleine Abwechslung. Aber angesichts der hier herrschenden Touristenströme und auch ein wenig mit Blick auf die Uhr entscheiden wir uns dazu, schnell weiterzulaufen.

Das Bild zeigt eine Gasse mit alten Steinhäusern in Santillana del Mar, einem kleinen Ort an der spanischen Nordküste.
Der kleine Ort Santillana del Mar mit seinen gepflasterten Straßen ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Der Tag war lang, als wir in Comillas ankommen und fast haben wir es schon befürchtet: Die öffentliche Herberge ist leider schon voll und auch bei der privaten Herberge haben wir kein Glück mehr. Bleibt nur noch das Ausweichen auf ein Hotel. Jetzt werden Zimmer langsam Mangelware und die Übernachtungslage zeigt sich mit jedem Tag ein Stückchen angespannter.

Wir selbst jedoch sind glücklicherweise sozusagen tiefenentspannt. Immer mehr gewöhnen wir uns an den Rhythmus des Unterwegs-Seins und den damit verbundenen Unwägbarkeiten. Zwei Wochen sind wir nun auf Achse und viele Handgriffe sind weitgehend Routine geworden. Der Körper hat sich an die täglichen, stundenlangen Wanderungen weitgehend angepasst und selbst das Verpflegungsmanagement klappt – was uns ganz besonders freut – mittlerweile recht gut.

Das Thema Essen war in den ersten zehn Tagen nämlich im Grunde das lästigste von allen. Unzählige Male standen wir vor geschlossenen Supermärkten, Tante Emma-Läden oder Restaurants und mussten unser Vorhaben für Verpflegung zu sorgen mehrere Stunden verschieben. Was sich bei ein paar Tagen nicht als tragisch erweist, ging uns schließlich doch auf die Nerven. So haben wir uns dann auch von der Vorstellung verabschiedet, uns unterwegs nach „Lust und Laune“ zu verpflegen und sind zur stärkeren Planung übergegangen.


♦ ♦ ♦ Hunger und Durst? 5 Hinweise zum Verpflegungsmanagement an der spanischen Nordküste ♦ ♦ ♦

Ob Pilger, Wanderer oder Backpacker: Wer wochenlang an der spanischen Nordküste entlang läuft und dabei hunderte von Kilometern hinter sich lässt, sollte seinen Körper dabei unterstützen, die Anstrengungen gut zu meistern. Dazu gehört vor allem auch ein durchdachtes Verpflegungs- und Ernährungsmanagement, das für eine ausreichende Zufuhr an Nährstoffen für Muskeln & Co sorgt. Klingt einfach, wenn da unterwegs nicht die Tücken der Beschaffung wären. Daher haben wir hier ein paar Hinweise zusammengestellt.

Das Bild zeigt die Verpflegung während einer Wanderung an der spanischen Nordküste: Salami, Brötchen, eine Wasserflasche stehen auf einer Holzbank.
Frühstück, Snacks und Hauptmahlzeit: Der Körper benötigt regelmäßig neue Energie, um die teils Höchstleistungen beim Wandern gut zu verkraften.
  1. Die Crux mit den Öffnungszeiten
    Schnell mal in einen Supermarkt oder in einen kleinen Laden springen funktioniert ohne den Blick auf die Uhr auf dem spanischen Küstenweg schlicht nicht. Wer sich vor 9 Uhr oder zwischen 13 und 17 Uhr Proviant beschaffen möchte, wird oft vor verschlossenen Türen stehen. Davon abgesehen gibt es längst nicht in jedem Ort Einkaufsmöglichkeiten.
    Doch nicht nur beim Lebensmitteleinkauf, sondern auch beim Restaurantbesuch können die  Öffnungszeiten zur Herausforderung werden. Der Grund: Die Restaurants bieten in der Regel mittags zwischen 12.30 Uhr und 15 Uhr und abends ab 21 Uhr Essen an. Wer nicht mit vollem Magen ins Bett fallen, aber auch nach einem langen Wandertag nicht selbst kochen oder sich mit einer kalten Mahlzeit begnügen möchte, muss also gut überlegen, welches Zeitfenster für einen Restaurantbesuch gewählt werden soll. Für uns persönlich hat es sich bewährt – soweit von der Routenplanung her möglich – mittags Station in einem Restaurant zu machen.
  2. Das Frühstück
    Die wichtigste Mahlzeit ist das Frühstück. Als Frühstücksfavoriten haben sich bei uns im Laufe der Zeit eindeutig Haferflocken mit Milch oder Müsli mit Jogurt erwiesen. Beides ist in jedem Supermarkt erhältlich, gut zu transportieren, schnell angerichtet, gesund und hält lange Zeit satt. Wer mag schneidet noch ein wenig Obst dazu und hat unseres Erachtens das perfekte „Wellness-Wander-Frühstück“.
  3. Der kleine Hunger zwischendurch
    Wenn unterwegs der Heißhunger kommt, ist es gut, etwas dabei zu haben, was zügig sättigt und Energie gibt, dabei nicht im Rucksack zerfließt und einfach portionierbar ist. Nüsse oder getrocknetes Obst eignen sich dazu bestens, Gemüse oder je nach Geschmack auch Salami, Hartkäse und ein Stückchen Brot. Aber auch eingelegter Fisch in der Dose erfüllt seinen Zweck. Natürlich hilft auch der Riegel dunkle Schokolade, aber wie bereits erwähnt nur, wenn er nicht wärmebedingt zum Schokoshake mutiert.
  4. Die Hauptmahlzeit
    Das Pilgermenü ist im wahrsten Sinne des Wortes zumindest hier auf dem Jakobsweg Camino del Norte in aller Munde. Es besteht in der Regel aus drei Gängen und einer Flasche Wein und kostet zwischen 6 und 8 Euro. Die Qualität jedoch schwankt unseren Erfahrungen nach extrem von Hausmannskost bis zum (wenig genießbaren) Fertiggericht.

    Weniger Schwankungsbreite gibt es hingegen beim Tagesmenü für Einheimische, auf das wir durch Zufall  in einem Restaurant abseits der Strecke gestoßen sind. Das „Menu del Dia“, das in der Regel zwischen 8 und 12 Euro kostet, besteht ebenfalls aus drei Gängen und Wein. Aber hier ist die Qualität durchgängig wirklich gut in vielen Fällen sogar sehr gut, was daran liegen dürfte, dass diese Restaurants nicht von Durchreisenden, sondern vor allem von immer wieder kehrenden Geschäftsleuten und Spaniern, die hier ihre Mittagspause verbringen, leben.
    Entgegen vielerorts zu lesender Mahnungen, keine größeren Mahlzeiten unterwegs zu sich zunehmen, da dies belasten würden, machen wir übrigens andere Erfahrungen. Ganz nach dem Motto „Nach dem Essen sollst du ruh‘n oder tausend Schritte tun““ fällt uns das Weitergehen danach nicht sonderlich schwer. Wichtig ist nur, keine zu fetten Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Da aber in der Regel auf jeder Speisekarte Salate und Fisch zur Auswahl stehen, ist dies kein Problem.
  5.  Trinken, trinken, trinken
    Genauso wichtig wie eine bewusste Ernährung unterwegs ist das regelmäßige Trinken. Aufgrund der körperlichen Aktivität sollte man dem Körper immer ausreichend Flüssigkeit zuführen. Da jedoch nicht überall auf dem Weg problemlos Nachschub erhältlich ist, sollte man möglichst bereits bei Start einen Getränkevorrat einpacken. Zwei Liter haben sich für uns als eine gute Größenordnung erwiesen. Welche Getränke man dabei wählt, ist Geschmackssache. Wir haben uns für Mineralwasser angereichert mit Brausetabletten, die gleichzeitig den Mineralhaushalt decken, entschieden.

Plangemäß stocken wir dann auch in Comillas unseren Getränke- und Proviantvorrat wieder auf, um uns am nächsten Tag gut gerüstet zurück auf den spanischen Küstenweg zu begeben.

Von Comillas aus geht es weiter nach San Vicente de la Barquera. Es ist bewölkt und etwas kühl, als wir an einem menschenleeren, weiten Strand – den Playa Oyambre – ankommen und kurzentschlossen mit einer kleinen Malstunde starten. Im unberührten Sand hinterlassen wir eine Nachricht, um vom Camino del Norte aus kurz ein herzliches „Hello“ in die Welt hinaus zu rufen, bis die Botschaft von Wind und Wasser weggetragen wird.

Das Bild zeigt zwei Rucksäcke am Strand stehend und daneben die Worte Camino del Norte und HelloWorld mit einem Herz in den Sand gemalt.
Herzliche Grüße vom Camino del Norte an die ganze Welt!

Das Gefühl vom „Hier und Jetzt“, das uns dabei überkommt, ist unbeschreiblich. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was wir vermissen, keine Gedanken, die im Kopf kreisen und uns ablenken. Nur wir, der Sand, das Meer und eine unglaubliche Zufriedenheit.

Ein Blick für tierische Begegnungen

Diese tiefe Zufriedenheit hält für den Rest des Küstenabschnitts bis nach Ribadesella unverändert an. Vorbei sind Sinnkrise und kurzzeitige Zweifel an unserem „Abenteuer spanische Nordküste“. Ganz im Gegenteil: Mit jeder Stunde, mit jedem Tag fühlen wir uns wohler hier draußen.

Im „Hier und Jetzt“ tritt vieles, was sonst meist keine besondere Beachtung findet, für einen kurzen Moment ins Rampenlicht: beispielsweise die Fauna am Wegrand, wie dieses kugelrunde Schaf, das uns von einer Wiese aus neugierig beobachtet – eines von vielen tierischen Motiven.

Naturschauspiel an der spanischen Nordküste

Querfeldein und durch felsiges Gelände hindurch, befinden wir uns zwischenzeitlich auf einem nur wenig ausgeschilderten Küstenabschnitt in Asturien, auf dem man – entsprechende Wetterverhältnisse vorausgesetzt – ein ganz besonderes Naturschauspiel erleben kann: die Bufones de Arenillas.

Es handelt sich dabei um Meerwassergeysire, die bei starkem Wellengang begleitet von einem lauten Pfeifgeräusch bis zu 40 Meter hohe Wasserfontänen durch das poröse Kalkgestein pressen.
Leider erleben wir das Naturschauspiel nicht persönlich, sondern erhalten nur über die aufgestellten Informationstafeln einen Eindruck. Schade, aber zu dieser Jahreszeit sind die Chancen generell wohl eher gering, die Geysire in Aktion zu erleben. Der beste Zeitpunkt soll Herbst oder Winter sein, wenn die Gezeiten am stärksten ausgeprägt sind und das Meer aufgewühlt ist. Wer weiß, vielleicht ergibt sich ein anderes Mal die Gelegenheit für dieses „Live-Erlebnis“.

Die Abbildung zeigt eine Infotafel zu den "Bufones de Arenillas", Meerwassergeysire, die an der spanischen Nordküste zu sehen sind.
Die “Bufones de Arenillas” sollen – entsprechendes Wetter vorausgesetzt – bis zu 40 Meter hohe Wasserfontänen erzeugen.

Nichtsdestotrotz: Der Weg selbst hat sich mehr als gelohnt und nach einer erneuten kleinen Schleife ins Land hinein, kommen wir schließlich im Badeort Llanes an.

Ein Strand nach dem anderen: einfach traumhaft

Badeort ist dann auch das passende Stichwort, noch zu erwähnen, dass die Strecke zwischen Bilbao und Ribadesella voller wunderschöner Strände ist: klein und felsig, groß und weit, brauner oder weißer Sand.

Besonders angetan waren wir auf dieser Etappe vom „Playa de San Martin“. „Wow, unglaublich, bombastisch, sagenhaft“ – diese und ähnliche Vokabeln fallen uns beim Anblick dieses unvorstellbar großen Strandes, dessen Weite aufgrund der herrschenden Ebbe noch unendlicher erscheint, ein. Wir erkunden jede Ecke. Die steilen Klippen, die den Strand einfassen, die Felsen, die aus dem Sand und dem Wasser herausragen, der strahlend blaue Himmel – alles hier ist wunderbar.

Nächstes Zwischenziel: Ribadesella

Mit diesem Bild vor Augen führt unsere Reise kurze Zeit später durch ein stärker ländlich geprägtes Gebiet. Vorbei an Wiesen, alten Landhäusern, Klöstern und ausgetrockneten Flussbetten treffen wir am Tag 18 unseres „Abenteuers spanische Nordküste“ schließlich in Ribadesella ein.

Dieses alte Monasterio San Antolin de Bedon steht inmitten einer ländlich geprägten Gegend an der spanischen Nordküste Richtung Ribadesella.
Dieses alte Monasterio San Antolin de Bedon ist eines von vielen beachtenswerten Gebäuden in den ländlich geprägten Gegenden der spanischen Nordküste.

Schon auf den ersten Metern spüren wir die stark touristische Ausrichtung dieser Stadt. Die Straßen sind voll mit Kaffees, Bars und Restaurants. Ein Anblick, der bei uns keine sonderliche Begeisterung weckt. Für Begeisterung hingegen sorgt unser Zimmer mit Bad – besser gesagt ein eigenes „Mini-Häuschen“ –  mit eigener Terrasse! So eine Gelegenheit muss man ausnutzen und so machen wir uns gleich auf, um uns ein Festmahl einzukaufen, Mit frisch geräucherten Fischfilets, Scampi und eine Flasche Rotwein läuten wir unter freiem Himmel den Abend ein. Wir lassen die letzten zehn Tage nochmals Revue passieren und überlegen, welche Erfahrungen wir dieses Mal von unserem Weg mitbringen:

Lessons Learned

Walk. Eat. Sleep. Repeat – so lassen sich die Erkenntnisse der letzten Tage wohl am besten in Worte fassen.

Unser Tagesablauf hat eine gewisse Routine bekommen und das ist gut so! Die Routine hilft uns dabei, wiederkehrende Abläufe zu organisieren und den Alltag damit ungemein zu erleichtern.

Dazu gehört zum Beispiel die Art und Weise den Rucksack jeden Abend aus- und am nächsten Morgen wieder einzupacken. Jeder Backpacker und Pilger weiß, dass nichts mehr nervt, als die Erkundungstour nach benötigten Utensilien in den Tiefen des Gepäckstücks. Dank unseres „Packsystems“ und einem gewissen Maß an Disziplin, ist die anfänglich ständige Suche nach Kleidung oder Gegenständen zwischenzeitlich so gut wie vorbei. Das Raus- und Reinräumen ist unkomplizierter geworden, geht wesentlich schneller von der Hand und die Gefahr etwas aus Versehen liegen zu lassen, ist um einiges geringer als zuvor.

Darüber hinaus trägt unser seit einigen Tagen „routinierteres“ Vorgehen bei der Essens- und Getränkeversorgung gerade stark zur Entspannung bei. Es ist gut, sich nicht mehr den halben Tag über das „Verpflegungsmanagement“ Gedanken machen zu müssen, sondern sich stattdessen den schönen Dingen am Wegrand widmen zu dürfen.

Und auch der Körper geht mit den täglichen Anforderungen des Unterwegs-seins zwischenzeitlich besser um. Offensichtlich haben wir uns daran gewöhnt, etliche Kilogramm mehr als üblich über Kilometer hinweg zu schleppen, ohne dass dies mit abendlichen Schmerzen quittiert wird. Schon erstaunlich, wie schnell man sich von Kopf bis Fuß auf neue Gegebenheiten einstellen kann.

Apropos Kopf: Das Unterwegs-Sein zu Fuß mit wenigen Habseligkeiten im Gepäck und relativ einfacher Lebensweise, verändert auch den Geist und die Wahrnehmung.

„It is life reduced to the most basic elements“

„It is life reduced to the most basic elements“. Dieser Satz, den wir irgendwo aufgeschnappt und notiert haben, verdeutlicht unseres Erachtens nach extrem gut, wie sich für uns das „Abenteuer spanische Nordküste“ gerade anfühlt.

Gehen, essen, schlafen… Hier auf dem spanischen Küstenweg ist unser Tagesablauf im Grunde auf diese drei Tätigkeiten reduziert. Mit  dieser Reduktion der Komplexität wächst die Intensität, wie wir die Umgebung und Ereignisse wahrnehmen.

Man erlebt viele Situationen bewusster, begegnet dem Drumherum aufmerksamer und zahlreiche „Selbstverständlichkeiten“, die man normalerweise nicht einmal mehr registriert, vermitteln ein unglaubliches Zufriedenheitsgefühl: etwas Essen, unter einer warmen Dusche stehen, sich abends in ein Bett legen, ein heißer Kaffee am Morgen…

Wandern an der spanischen Nordküste: Reduce to the max

„Der Schlüssel zu einer glücklichen Ausgewogenheit im modernen Leben liegt in der Einfachheit“, so schrieb der tibetische Meditationsmeister Sogyal Rinpoche. Und ja: Zu erkennen, dass man nur wenig braucht und dennoch nicht das Gefühl des Verzichts aufkommt, sondern – im Gegenteil – der „Glücklichkeitsfaktor“ im Vergleich zu sonst eher steigt, ist wohl das für uns bemerkenswerteste „Mitbringsel“ des Wegabschnitts von Bilbao nach Ribadesella und ganz bestimmt ein sehr wertvolles Learning für ganz viele Lebenslagen.

Wir sind gespannt, ob uns dieses positive Gefühl weiter durch das „Abenteuer spanische Nordküste begleitet und natürlich besonders darauf, welche „Learnings“ uns in den nächsten Wochen noch erwarten werden. Zum Beispiel auf der kommenden Etappe, die uns in das 230 Kilometer entfernte Ribadeo führt. Eine für uns ganz besondere Station. Hier heißt es nämlich Abschied nehmen vom Jakobsweg Camino del Norte, der uns die ganze Zeit über mehr oder weniger die Richtung vorgegeben hat.

Wieso uns dieser Abschied so schwer fällt, was es mit der “Magie des Wiedersehens” auf sich hat und welches persönliche Zwischenresümee wir an diesem Scheidepunkt ziehen, dazu mehr im dritten Teil unseres „Abenteuer spanische Nordküste“.

>> Und so geht es weiter: Der große Abschied: Das Abenteuer spanische Nordküste . Teil 3

>> Was bisher geschah: Das Abenteuer spanische Nordküste . Teil 1


Nicht verpassen!
Neben unserem insgesamt 7-teiligen Erlebnisbericht zum „Abenteuer spanische Nordküste“ stellen wir auf www.hello-world.net demnächst allen Interessierten auch weitere nützliche Informationen rund um diese Wanderroute zur Verfügung: von GPS-Daten, Höhenprofilen und Google Maps bis zu Albergenübersichten. Einfach in Kontakt bleiben über unser Facebook– oder Instagram-Profil.

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4 Kommentare

  1. Wie immer ein super Bericht wunderschöne Bilder bei dem Bericht hat man das Gefühl dabei Zusein .Ich freue mich auf eure nächste Etappe .BON CAMINO

    1. Lieber Werner, herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Es ist schön, wenn wir mit den Beiträgen in Wort und Bild ein wenig die Atmosphäre transportieren können. Freuen uns, wenn Du uns weiter begleitest. Bis bald, herzliche Grüße Andrea & Nico

    1. Hallo Kirsten,

      Danke für Dein Feedback. Zu Deiner Frage bzgl. Reservierung: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es je nach Zielort sinnvoll sein kann, am Vortag bereits eine Übernachtung zu buchen. Sei es, weil die Tagesetappe sehr lang ist und man am Abend nicht noch auf die Suche nach einer Unterkunft gehen möchte oder – wie im Fall Santander – im Vorfeld bekannt ist, dass z.B. aufgrund von Feiertagen, Ferien u.ä. viele Unterkünfte bereits ausgebucht sind und man daher auf Nummer sicher gehen möchte. In Santander haben wir ja leider – trotz vorheriger Buchung – erlebt, wie schwer und zeitaufwändig es sein kann, ein Zimmer in einer Herberge, einem Hostal oder einem Hotel zu organisieren.

      Und nicht zu vergessen: Es trägt auch deutlich zur Entspannung auf dem Weg bei, wenn man weiß, wo man am Abend nächtigen wird 🙂

      Herzliche Grüße
      Andrea

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